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Radierung von Johann Gabriel Friedrich Poppel
1807-1882

Athen

Parthenon

(griechisch: Jungfrauengemach), dorischer Tempel der Athene Parthenos (griechisch: die Jungfräuliche), der griechischen Göttin der Weisheit, auf der Akropolis in Athen. Der Peripteros (Tempel mit umlaufenden Säulen) mit reichem Skulpturenschmuck aus pentelischem Marmor wurde unter der Herrschaft des Perikles im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Baumeistern Iktinos und Kallikrates errichtet und enthielt in seinem Hauptraum das berühmte Gold-Elfenbein-Kultbild der Athene Parthenos, das von Phidias, dem bedeutendsten attischen Bildhauer, geschaffen wurde. Der Tempel hat eine Länge von 72 Metern und eine Breite von 34 Metern. Er diente zeitweilig als christliche Kirche, dann als Moschee, später als Munitionsdepot. 1687 zerstörte eine Explosion den Tempel, bis er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilweise wieder errichtet wurde. Wegen seiner harmonischen Proportionen, der Schönheit des Materials und seines ausgezeichneten Skulpturenschmuckes, von dem sich heute ein großer Teil, die so genannten Elgin Marbles, im Britischen Museum in London befindet, zählt er zu den Meisterwerken der griechischen Architektur.

DER PARTHENON ZU ATHEN
(restauriert).

«Heil dir, o stets denkwürdiger Tag! wie trag' ich der Freuden Füll im Geist? Wie müd' ist der Fleiss von unzähligen Wundern! Göttin, dein würdiger Sitz weicht nicht den funkelnden Sternen ! Zinnen erheben sich bier , auf zahllose Säulen gestützt, rings Raum erstrahlen zugleich, von dalmatischem Erze gesättiget; Auch Kunstwerke von alter Hand, und werth der Bewunderung; Lebend Metall entbeut in würdige Tempel Minerven', Wenn je Phidias Hand durch sinnige Künste den Todten Leben verlieh'.
(Statius Sylv.)
Mit diesen Worten begrüsst der römische Dichter den Tempel der Minerva zu Athen, dessen jetzige Gestalt eine frühere Darstellung (Heft II) lieferte, während die gegenwärtige ein Bildniss des Tempels in seiner ursprünglichen Gestalt herzustellen versucht. Von weissem Marmor auf-geführt durch den Baumeister Iktinus in der glänzenden Periode des Perikles, als Athen auf dem Gipfelpunkt seiner Blüthe stand, ragt der Tempel auf dem höchsten Punkte der Athenischen Burg hervor. Seine Cella umgeben acht Dorische Säulen in der Fronte und am Hintergebäude, zu jeder Seite erbeben sich siebenzehn ähnliche Säulen, in einer Höhe von dreissig Fuss, während die Gesammthöhe des durch die Harmonie und Symmetrie seiner Theile imponierenden Tempels wohl das Doppelte beträgt. Im Hintergrunde, im eigentlichen Schiff, stand der Göttin berühmtes Standbild , fast vierzig Fuss hoch , und mit dem Helmbusch des Tempels Decke berührend.