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Eberz, Josef (1860-1942)
Eberz, Josef (Joseph), dt. Maler, Zeichner, Graphiker, Illustrator, *3.6.1880 Limburg an der Lahn, †27.8.1942 München. Stud.: 1901-03 KA München, v.a. bei Hugo von Habermann (lt. ThB auch bei Peter Halm und Franz von Stuck); 1903 Karlsruhe; 1904 Düsseldorf; ab 1905 KA Stuttgart bei Christian Landenberger und 1907-12 Meisterschüler der Komp.-Klasse von Adolf Hölzel; 1912 Teiln. von dessen Ferienkurs in Monschau/Eifel. 1917/18 in Wiesbaden (dort 1917 oo Gertrud Alber) und Darmstadt; ab 1918 in München ansässig. Zählte 1919 mit Max Beckmann, Kasimir Edschmid, Ludwig Meidner und Wilhelm Michel zu den ersten Mitgl. der Darmstädter Sezession. 1919 außerdem Beteiligung an der ersten Ausst. der Künstler-Vrg "Das Junge Rheinland" in Düsseldorf. 1920/21 Studienreise nach Italien, Dalmatien und Paris. Mitgl.: Arbeitsgemeinschaft für christl. Kunst; Berliner Sezession; Dt. Ges. für christl. Kunst; Dt. Künstler-Bund; Dt. Werkbund; Neue Sezession, München; ab 1920 Novembergruppe; Reichs-Verb. bild. Künstler Deutschlands. Ausz. mit dem Prof.-Titel. – E. begann mit Stilleben, denen bald Lsch., freie Figurenbilder und bibl. Themen (Öl, Aqu., Tempera) folgten. Der 1. WK unterbrach die Arbeit an 14 großen Kreuzwegstationen (die ersten beiden 1914 voll.) für die Kirche St.Marien in Kaiserslautern. Selbst kein Kriegsteilnehmer, schuf E. während der ersten Kriegsmonate expressive Bilder und Bildskizzen mit Kriegsepisoden sowie die Folge Kämpfe (15 Lith., Graph. Kunstanstalt Haufler und Wiest, St. 1916), in denen er die seel. Auswirkungen des Krieges thematisierte. 1918 erschien die Reprod.-Mappe Christus, und es entstanden sieben Lith. als Ill. zu Die Pole des Eros von Kurt Moreck. Beeinflußt vom dt. Expressionismus wandte sich E. für kurze Zeit auch dem Hschn. zu (Visionen, 1919, 12 Hschn.; Nächtl. Zirkus, 7 Hschn.). Fertigte auch zahlr. freie Rad., darunter die als Mappenwerk erschienenen 33 Bll. zu Joseph von Eichendorff Ahnung und Gegenwart (1919) sowie Rad. als Ill. zu Gedichten von Charles Baudelaire (Poèmes choisis avec eaux-fortes ..., 1922). Ferner als Radierer an dem Gemeinschaftwerk Erste Mappe Düsseldorfer Ges. für zeitgen. Kunst (1920) und Autor der zykl. Mappenwerke Ital. Lsch. (6 Rad.), Der Garten Heinrich Kirdorf (10 Lith.) und Kloster Eberbach (10 Lith.). Wandte sich nach einigen Ölbildern 1922 mit der Ausmalung des Vorraumes der Haupthalle der Münchener Gewerbeschau v.a. dem mon. Wandbild zu. Das erste große relig. Fresko war die vollst. Ausmalung der 11 m hohen Tauf-Kap. der St.Rupertuskirche in Salzburghofen-Freilassing (Der hl.Rupertus tauft die Heiden im Rupertiwinkel, 1926); ebd. malte E. im Chor Der eucharist. Heiland mit den Hll. der Salzburger Gegend (1929), über dem Triumphbogen Maria als Patrona Bavariae, umgeben von den Vertretern aller Stände (1930) sowie Fresken mit Kreuzwegstationen (1931). Es folgten Großaufträge zu Entwürfen für die Ausstattung süd-dt. kath. Kirchen, u.a. das Putzmosaik Hl. Frauen aus allen Ständen gewinnen Kraft fürs Leben aus dem Kreuzestod Jesu (1929, Chor der Frauenfriedenskirche, Frankfurt am Main), das Chormosaik Christus als Salvator (1930) und ein 14teiliger Mosaikkreuzweg (1931, beide Kirche St.Georg, Stuttgart), das Marienfenster (1931, Frauenkirche, München) sowie 21 Glas-Gem. und ein mon. Chormosaik (1933-35, beide Herz-Jesu-Kirche, Weiden/Oberpfalz). 1939 Freskant in Illdorf und mit profanen Themen in versch. Villen. Unter dem Einfluß des Lehrers A.Hölzel und der Malerei von Matthias Grünewald löste sich E. früh von jeder naturalist. Auffassung. Die Öl-Gem., teils in dünnem, teils in pastosem Farbauftrag in meist dunklem, jedoch intensivem Kolorit, weisen häufig flächige, konturauflösende Formen auf. E. zählte zu den Künstlern der Münchener Neuen Sezession, die nach 1932 nicht mehr ausstellen durften; 1937 wurden seine Werke fast ausnahmslos als "entartet" beschlagnahmt (Berlin, NG; Düsseldorf, KM; Essen, Mus. Folkwang; Hamburg, KH; Hannover, LG; Mannheim, StKH; München, Neue SG der Bayr. Gem.-Slgn und SKS ebd.; Ulm, Mus.). Bei Darst. bibl. Sujets (bes. Passion Christi) agieren die häufig zeichner. konturierten Figuren in ekstat.-expressiver Gebärdensprache in bildfüllender Unmittelbarkeit im äußersten Vordergrund (Der Weg des Lebens, um 1920). Um 1925 fand E. als Katholik im mon. Kirchenbild seine adäquate Aufgabe. In Italien hatte er frühchristl. Sakralkunst studiert, die ihn zu relig. Fresken und Mosaiken inspirierte. Hauptmerkmale dieser Komp. sind starke Linien- und Flächenbetonung, geometr. Grundformen und Symmetrien sowie Stilisierung der Figuren (z.B. Herz-Jesu-Bild, 1913, Ehingen an der Donau, Konviktskirche). In Glas-Gem. nahm E. stilist. Elemente des Kubismus, des Futurismus sowie der Pitt. metafisica auf und verband Figuration und Abstraktion (Christus als König, 1929; Rosenheim, Christ-König-Kirche). Außer Bedeutungsperspektiven wählte er häufig zweischichtige Raumgliederungen, in denen sich Figuren in starker Farbigkeit von diffuser Dunkelheit oder transzendenten Lichtgründen abheben. Mit großem Gespür für Linien- und Massenverteilung ordnete E. Figuren in rhythm. Formbeziehung und setzte das Kolorit als Ausdrucks- und Stimmungsträger ein. Zeitgen. Rezensenten konstatierten eine "ernste Größe der Wirkung, wie sie viell. seit dem Frühmittelalter nie wieder erreicht wurde" (Julius Baum, in: Christl. Kunst 27:1930/31[6]1).
WERKE KASSEL, Neue Gal. MÜNCHEN, Lenbachhaus. NÜRNBERG, KH: Die Schauspielerin Erika von Thellmann, Öl/Lw., 1927. ROSENHEIM, StG. STUTTGART, Gal. der Stadt. – SG, GrS.
AUSSTELLUNGEN E: München: 1925 Gal. Hans Goltz (K); 1954 Ges. für christl. Kunst (Nachlaß); 1967 Berufs-Verb. Bild. Künstler (K). – G: 1914, ’17, ’18, München, Gal. Hans Goltz / Düsseldorf: 1920 Gal. Alfred Flechtheim; 1928 Ausst. Dt. Kunst.
BIBLIOGRAPHIE ThB10, 1914; Vo2, 1955 (Lit.). W.Kosch, Das kath. Deutschland. Biogr.-bibliogr. Lex., I, Au. 1933; Lex. der Kunst, IV, FiB./Basel/W. 1988; Münchner Maler V, 1993; Schweers I, 1994; Dt. biogr. Enz., II, M. u.a. 1995. – W.Schäfer (Ed.), Bildhauer und Maler in den Ländern am Rhein, Dd. 1913, 82, 158; Christl. Kunst 11:1914/15(9)229-234; 12:1915/16(10)284; Beil., 24; 21:1924/25(4/5)83; 23:1926/27(7)200-207; 25:1928/29(11); 26:1929/30(11/12)361, 379; 27:1930/31(6)169-174; H.Hildebrandt, Kunst für alle 33:1917/18(17/18)239-336; L.Zahn, J.E., L. 1920 (Junge Kunst, 14); H.Wehrer, Dt. Kunst und Dekoration 49:1921/22, 123-125; Dt. Ges. für christl. Kunst, Jahresmappe 1927, 11, 17, 30; 1929, 16, 20, 22, Taf. VI, XXXIX; 1931, 5, 15, Taf. XL; 1932, 12, Taf. V; Salzfaß 8:1929, 85-86; 9:1930, 96-98; 11:1932, 68-70; Chiemgau-Bll. 1934(47); Hölzel und sein Kreis (K Württ. KV), St. 1961; F.Roh, "Entartete" Kunst. Kunstbarbarei im Dritten Reich, Hn. 1962, 2, 127, 153, 155, 157 s., 162, 183, 188, 190, 196, 216, 234 s., 239, 241; J.E. Graphik des Expressionismus (K Gal. Hierling), M. 1982; W.Venzmer, Adolf Hölzel. Leben und Werk, St. 1982, 22, 205; G.Thiem (Bearb.), Der dt. Hschn. im 20.Jh. (K Inst. für Auslandsbeziehungen Stuttgart), B. 1984, 16, 72-73 (Nrn 42-44); Weltkunst 54:1984(13)1844; (22)3884; 55:1985(15)2126; 56:1986(9)1251; Ill. Bücher und Mappenwerke des Jungen Rheinlands (K Univ.-Bibl.), Dd. 1985; U.Krempel (Ed.), Am Anfang. Das Junge Rheinland (K KH), Dd. 1985, 12, 18, 57, 122; Adolf Hölzel – die Kunst steckt in den Mitteln (K Württ. LM), St. 1986; P.-K.Schuster (Ed.), Nationalsozialismus und "Entartete Kunst". Die Kunststadt München 1937, M. 1987; G.Wirth, Verbotene Kunst 1933-1945, St. 1987; S.Barron (Ed.), Expressionismus. Die zweite Generation, 1915-1925 (K Düsseldorf/Halle), M. 1989; M.Turck, Das Reiff-Mus. der TH Aachen, Alfter 1994; Wilhelmi, 1996; A.Sennewald, Dt. Buchillustratoren im ersten Drittel des 20. Jh., Wb. 1999. Tropischer Garten
Tropical garden
Litho, signiert, datiert "18" Blindstempel "Die
Schaffenden"
Etching, signed, dated "18", drystamp "Die Schaffenden"
Enstehungszeit /
time of origin: 1919
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