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Achenbach, Andreas (1815-1910)
Achenbach, Andreas, dt. Maler, Graphiker, Karikaturist, *29.9.1815 Kassel, †1.4.1910 Düsseldorf. Sohn eines Kaufmannes, Bruder des Malers Oswald A. – Nach mehreren Ortswechseln ließ sich die Familie A. 1823 in Düsseldorf nieder. Mit 12 Jahren Schüler der AK Düsseldorf, 3 Jahre Besuch der Elementarklasse, anschließend der Malklasse unter Leitung H. Ch. Kolbes, dann der von J. W. Schirmer gehaltenen Kurse für Landschaftsmalerei sowie Vorlesungen von C. Schäffer über Archit. und Perspektive. 1836 Umsiedlung nach München (mit einigen Malerfreunden wie F. J. Ehemant, E. W. Pose) wegen des gespannten Verhältnisses zwischen rheinländ. Künstlern und denen, die mit F. W. v. Schadow aus Berlin gekommen waren. 1837 Wohnsitz in Frankfurt, ab 1839 endgültig in Düsseldorf. 1859 Prof.; zudem versch. Ausz.; Mitgl. zahlr. Akad., Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf. – Entscheidend für A.s künstler. Entwicklung sind v. a. seine Auslandsreisen: 1832 Holland und Rußland, 1835 Schweden und Holland, 1837/38, 1840 weitere Hollandreisen, 1839 Norwegen, 1838 und 1857 England, 1838, 1864, 1865 Frankreich, 1843-45, 1873 Italien. Außerdem Studienreisen nach Altenberg (1831) und nach Tirol (1836). – In frühen Landschaften zeigt sich A. zunächst ganz von C. F. Lessing beeinflußt (Burgruinen, Kirchen mit düsterer Beleuchtung, verschneite Friedhöfe u. a.). Dabei verwendet er häufig ein Kompositionsschema: Blick von leicht erhöhtem Standpunkt mit einführendem meist dreieckförmigem Vordergrundstreifen, Archit. jeweils im Zentrum, gestaffelte Berge im Hintergrund. Er arbeitet mit spitzem Pinsel, wobei ihm das Erfassen der Stofflichkeit einzelner Gegenstände zunächst noch Schwierigkeiten bereitet. Etwa ab 1835 gelangt er zu einem ausgeprägten Detailrealismus, der nicht im Einklang zu seinen phantast. anmutenden Landschaften steht. Angeregt durch Nordlandreisen entstehen nun schwed., später norweg. Gebirgslandschaften mit Wildbächen, in denen sich bereits seine Vorliebe für Bewegung in der Natur (ziehende Wolken, schäumendes Wasser u. ä.), zeigt. 1834 erste, seit 1835 intensivere Versuche in der Marinemalerei, v. a. angeregt durch die Begegnung mit holländ. Künstlern in Den Haag, die (nach dem Vorbild der franz. Seemaler E. Isabey und T. Gudin) Schiffbrüche an felsigen Küsten malen. Werke mit diesem Sujet sind z. T. unter dem Titel "Normannische Küste", überliefert. Stärker noch, bes. in den 40er bis 60er Jahren, orientiert er sich in einzelnen Motiven, aber auch in der pastosen Malweise an Gudin, dessen Gemälde er in Holland und 1838 in Paris kennenlernt. A. löst sich z. T. ganz von der sonst so dramat. Naturauffassung (Strandszenen mit sich ausruhenden Fischern u. ä.). V. a. seine Winterlandschaften zeigen in Aufbau, Malweise und Farbgebung Ähnlichkeiten mit Darst. von Schélfhout. Anfang der 40er Jahre ist die genaue Kenntnis der niederländ. Malerei des 17. Jh. zu bemerken: Bes. Jacob v. Ruisdael inspiriert ihn zu Darst. sumpfiger Waldlandschaften mit umgestürzten Bäumen. Von ihm übernimmt er auch Kompositionselemente, unterscheidet sich jedoch ausdrucksmäßig durch das sehr leuchtende Kolorit. Eine Auflockerung des Kompositionsschemas macht sich auch in den schwed. und norweg. Landschaften der 40er Jahre bemerkbar, die zu seinen bedeutendsten Schöpfungen zählen. In den Seestücken verzichtet er nun fast ganz auf rahmende Felsen und verdeutlicht Raumtiefe nur durch unterschiedl. Größe der einzelnen Schiffe. Im Gegensatz zu früheren Darst. dieser Art agiert hier eine Vielzahl von Figuren: der Lebenskampf des Menschen, seine Ohnmacht gegenüber den Naturgewalten, tritt als zentrales Thema deutlich hervor. Entscheidenden Einfluß hat (obgl. meist bestritten) der Italienaufenthalt 1843-45, bes. für die Malweise und die bedeutende Bereicherung seiner Farbpalette. Es entstehen zahlr. ital. Küstenbilder (v. a. Capri). Sofort nach der Rückkehr schildert A. wieder Seestürme und Schiff brüche. Daneben treten Ende der 40er bis in die 60er Jahre hinein beruhigte Szenen, die sich durch ihren erzählenden Charakter von den übrigen Werken abheben (z. B. Fischauktionen, heimkehrende Fischer u. ä.). Erwähnenswert ist die jetzt erreichte Sicherheit bei Darst. und Einbau der Figuren, wobei ihm vorher oft die Hilfe seines Freundes A. Rethel zuteil wurde. Auffallend ist hier ferner die feine Lichtbehandlung, auch in einigen Landschaftsbildern der 50er Jahre. Letztere, meist kleinere Ölgemälde, z. B. übersonnte Kornfelder und lichtdurchflutete Waldschneisen, sind in leuchtenden Farben und in fast impressionist. Manier zwanglosschlicht gemalt. Die großen Landschaftsbilder seit den 50er Jahren lassen wieder deutlich Kompositionsschemata, wenngleich gegenüber früher gelockert, erkennen. Auch Malweise und Farbgebung verändern sich. So arbeitet er z. T. wieder mit spitzerem Pinsel, verdeutlicht Entfernungen durch unterschiedl. dicken Farbauftrag, das Kolorit wird wärmer, zugleich gedämpfter. Es entstehen jetzt, außer wenigen skandinav. Landschaften v. a. westfäl. Wassermühlen in zahlr. Varianten, die er wegen großer Nachfrage fast serienweise fertigt. In den Marinebildern tritt seit den 60er Jahren der Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten, zumeist mit Betonung von Rettungsaktionen, stärker in den Vordergrund. In den 70er Jahren führt ihn die neue Sicherheit in der Figuren und Schiffstypdarst. zu den großen bekannten Bildern holländ. und belg. Hafenstädte, in denen die Archit., Staffage und Marine gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Alle späteren Werke schöpfen aus dem erworbenen Formenschatz. Wandel zeigt sich lediglich in der Malweise, die sich in den 80er Jahren erneut auflockert. Noch bis ins hohe Alter ist A. sehr produktiv, wenngleich die Qualität sinkt, die Ausführung flüchtig wird. Sein Oeuvre umfaßt etwa 1000 Werke und besteht neben Interieurs und Portr. zu fast 90% aus Landschafts- und Marinebildern sowie einer Vielzahl von Rad., Zchngn und Lith. Von den letzteren sind v. a. die polit. Karikaturen, die um 1848 für die Düsseldorfer Monatshefte u. a. Zss. entstanden, hervorzuheben. – A. wurde bereits seinerzeit als einer der bedeutendsten Künstler der Düsseldorfer Malerschule gefeiert und gilt auch heute als wichtiger Vertreter der dt. Malerei des 19. Jh. Technisch perfekt verschmolz er zahlr. motiv. und stilist. Anregungen zu einer persönl. Eigenart. Seine kunstgeschichtl. Bedeutung liegt v. a. im Durchsetzen einer neuen Auffassung gegen das damals in Düsseldorf vorherrschenden Ideal der klassizist. und historisierenden Landschaft. V. a. seine Ansichten der norweg. Gebirgswelt und seine Seestücke erschließen für die Malerei jener Zeit neue Wege, die im In- und Ausland große Beachtung fanden und Schule machten. Obgleich A. nie Lehrer an einer Akad. war, hat er doch einige Privatschüler unterrichtet: u. a. H. F. Gude, W. Whittredge, A. P. Bogoljuboff, A. Flamm und seinen jüngeren Bruder Oswald.
Ankommende Fischer
Arriving Fishermen
Radierung
Etching
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Enstehungszeit / time of origin: 1838
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