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Fanto, Leonhard,,

Fanto, Leonhard (1874-1958)

Allen Theaterinteressenten ist es eine bekannte Tatsache, daß sich die königlichen Theater zu Dresden schon seit geraumer Zeit an die Spitze derartiger Institute in Deutschland gesetzt haben. Nicht nur gehen Intendanz und Dramaturgen voran im Herausbringen von hervorragenden neuen Werken, — ich erinnere nur an Richard Strauß, dessen Salome, Elektra und Rosenkavalier hier die Urpremiere erlebten, — sowie im Ausgraben interessanter, älterer Theaterwerke, sondern es wird auch auf die feinkünstlerische Ausgestaltung der Bühnenbilder der allerhöchste Wert gelegt, und in diesem Punkt ist, wenn ich mich nicht irre, den Dresdener Theatern gegenwärtig nur das Deutsche Theater in Berlin zur Seite zu stellen. Einen Hauptanteil an dieser hohen künstlerischen Kultur hat man Leonhard Fanto zuzuschreiben, der zunächst über die historischen Kostüme waltet, gelegentlich aber, wie z. B. bei dem prachtvollen japanischen Stück »Kimiko«, für die ganze mise-en-scene zeichnete. Seine erste Großtat war die Erneuerung der Jungfrau von Orleans, die er aus dem bisher üblichen Mischmasch von 15. und 16. Jahrhundert-Trachten in ein wirkliches, echtes Milieu aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Frankreich versetzte. Bei der Agnes Bernauer, die in fast ganz der gleichen Zeit spielt, Zeitschrift für bildende Kunst. N. F. XXII. H. 10nahm einen die feine Differenzierung zwischen der bayerischen gegenüber der gleichzeitigen französischen Tracht gefangen. Und oft seitdem hat Fanto, im Hamlet, Lohengrin, Minna von Barnhelm usw. Beweise von seiner feinsinnigen Kenntnis der historischen Tracht geliefert. Immerhin wäre das nur eine halbe Sache, eine Wissenschaft, die auf recht spröde Wirkungen beschränkt sein könnte, wenn zu ihr nicht noch ein rein ästhetisches Moment hinzuträte. Das letztere aber verschönert Fantos Schöpfungen, dank seines ganz hervorragend feinen Farbengefühls. Lebendig und eindringlich werden diese Bühnenbilder erst durch ihre Unterordnung zu wunderbaren Farbensinfonien. Das ist, was einen immer wieder entzückt, und ich könnte hierfür auf Hunderte von Beispielen zurückgreifen. Besonders erinnere ich mich gerade eines Bildes im Oberon, in der Verführungsszene, in der Roxana ihre Blumenmädchen herbeiruft, um den Helden zu betören. Huon trat auf in einem violetten Mantel, zu dem das Grün der Blumenmädchen — (ein unmögliches Grün unter heiterem Himmel, das aber im weichen Licht der Bühne faszinierend wirkte) — wie sie abwechselnd in seine Arme sanken und sich um ihn schmiegten, während daneben Roxana in einem fürstlichen Orange prangte, ganz wunderbar stand. Das gab eine Harmonie der Farben, die ebenso berauschend wie die der Töne und jedenfalls viel eindringlicher war. Der feine Farbensinn ist auch das Hauptmerkmal und zugleich die Triebfeder der Fantoschen Holzschnitte. Mit großer Befriedigung vermissen wir bei ihnen das Element des Herumtappens: Fanto ist nicht auf den Holzschnitt verfallen, wie so mancher anderer, um sich auch einmal darin zu versuchen, und so scheiden glücklicherweise die verfehlten Experimente aus, die nur beweisen, daß es keinen abgekürzten Weg zur Schönheit gibt und daß man den besonderen Stilgesetzen, denen jede Technik unterworfen ist, nicht ungestraft willkürlich aus-weichen kann. Fanto behandelt den Holzschnitt als das, was er ist, eine Linienkonvention, die der Entfaltung von Kraft, Breite und großer Einfachheit die ausgezeichnetsten Möglichkeiten bietet. Aber innerhalb dieses Stils bleibt ihm noch die Anwendung feinster Farbenempfindungen vorbehalten, die nicht weniger überlegt und zusammengestimmt sind, weil sie sich nicht eben gerade aufdrängen. Beim ersten Anblick nämlich machen diese Blätter einen fast naturalistischen Eindruck. Es handelt sich überall uni Typen des Slovakischen Volks, dessen Farbenfreudigkeit in der Kleidung bekannt ist, eine Vollfarbigkeit, die um so mehr uns auffällt, als die heiße Sonne der Galizischen Landesstriche sie geradezu akzentuiert herausbringt. So wirkt denn auch ein solcher Holzschnitt mit den in die pralle Sonne gestellten Figürchen, deren Rot, BIau und Gelb,vor allen deren grelles Weiß der Leinenhemden mit den in der Luft zitternden violettblauen Schatten fast schreiend hervortritt, frappant naturalistisch. Aber bald merkt man doch das feine Auge, das die Naturfarben zu einem Akkord gestimmt hat, und das zudem noch von den Einzelheiten genügend viele ausgeschaltet hat, um das Bild zu einem ruhigen Ganzen zusammenzuhalten. Die Ruhe des Gesamteindruckes fördert dann auch die Art der Zeichnung, die sich der denkbar einfachsten Mittel bedient. Die Haltung der Figuren und ihre Stellung sind mit hervorragendem Können fest und bestimmt wiedergegeben. Bei der Modellierung des Karnats wird, wie bei dem Plakat, auf die tätige Mitarbeit des gewissermaßen durch Stichworte angeregten Auges des Betrachters gerechnet. Aber wie trefflich wird, selbst bei dieser nur andeutungsweisen Behandlung, der Ausdruck bezwungen: aus dem Gesicht glauben wir hier schon den Charakter herauslesen zu können. Ausgezeichnet ist z. B. auch das Blinzeln in der blendenden Sonne wiedergegeben. Ungefähr ein Dutzend solcherSlovakenbildersind bis jetzt entstanden, die neben ihrem hohen künstlerischen Wert auch einen ethnographischen besitzen. Fortschreitend ist der Künstler immer reicher und farbiger geworden. Gegenwärtig hat er eine zweite Reihe von Dalmatiner Typen in Angriff genommen. Nach den ersten Proben versprechen auch diese Blätter ganz auf der Höhe zu bleiben. Auch an ihnen spürt man nichts von künstlerischer Verlegenheit, von nicht Selbstverständlichem. Auch sie sind ganz von innen heraus entstanden und haben nur dem Selbstzweck der künstlerischen Schönheit zu dienen. (Prof. Hans W. Singer in "Zeitschrift f. bildende Kunst, Juli 1911)

Slowakischer Bauernbub

Slvoakian Boy

Farbholzschnitt
Woodcut in col.

(Nähere Erklärungen zu graphischen Techniken s. Leiste links)
(More explanations about graphic-techniques see left column))


Enstehungszeit / time of origin: 1910
Größe/size (in cm.) ca.:27x13,5


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