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Holbein, Hans der
Ältere (1464-1524) - Umkreis,,

Holbein, Hans der Ältere (1464-1524) - Umkreis / Circle

Verkündigung

The glorification of the virgin


Durch den Neudruck der Derschaustöcke, welche Publikation in vier Lieferungen zu einem vorläufigen Abschluß gelangt ist, ist die Aufmerksamkeit auf diese Holzformen gelenkt worden, die sonst unbeachtet, zu den verborgensten unter allen den verborgenen Dingen im Berliner Kupferstichkabinette gehören. In Nürnberg hat der Hauptmann und Freiherr v. Derschau gelebt und gesammelt. Daher sind die Holzstöcke aus seinem Besitz überwiegend fränkisch. Ein Fremdkörper in dem Bestande ist die Verkündigung Mariä, die hier, von dem Originalstock abgedruckt, wie ich hoffe, das Interesse der Kunstfreunde zu fesseln geeignet ist. Diese Verkündigung wird auch den erfahrenen Kenner des deutschen Holzschnitts überraschen. Alte Drucke von der Platte scheinen nirgends vorzukommen. Becker hat diesen Schnitt in die große Veröffentlichung der Derschau-Stöcke, die er zu Beginn des' 9. Jahrhunderts erscheinen ließ, nicht aufgenommen, und deshalb kommen auch keine Neudrucke davon vor. Von dem Seltenheitswert abgesehen, beansprucht das Blatt die Beachtung der Kunstforscher. Um 1500 entstanden ist es offenbar. Stilverwandte Holzschnitte zu finden, ist kaum möglich. Der Charakter dieses Holzschnitts, der so ungewohnt in einem Monument dieser Zeitstufe, in schroffem Gegensatze zu dem vertrauten oberdeutschen Charakter steht, prägt sich als bildmäßige Gesamterscheinung aus. Statt daß die Grenzen der Figuren linienhaft hervortreten, ist durch dichte und mannigfaltig variierte Strichelung eine kontinuierliche Wirkung erzielt, sind Raum, Luft, Licht und die Stofflichkeit der Dinge durch erstaunliche Verfeinerung der Zeichnung und des Schnittes ausgebildet. Allerdings ist der Effekt des Neudruckes nicht ganz der beabsichtigte, vielmehr zu einem Teil eine Folge der Beschädigungen, die der Holzstock im Laufe der Jahre erlitten hat. Wir sind in der seltenen Lage, die Druckform untersuchen zu können und stellen dabei fest, daß die hohen Stege durch das Alter ausgetrocknet, geborstenund gleichsam schartig geworden sind, daß sie daher im Abdrucke Punktreihen oder vielfach unterbrochene Linien anstatt geschlossener Linien ergehen. Der Stock ist sonst gut erhalten und keineswegs durch den Druckprozeß abgenutzt, seine Zersetzung erstreckt sich, was zu beachten ist, in der Hauptsache auf die horizontalen, annähernd rechtwinklig zur Holzfaser verlaufenden Linien, während die vertikalen, in der Richtung der Faser gezogenen, ihre Konistenz bewahrt haben. Die Untersuchung der Druckforce ist auch insofern lehrreich, als wir durch die Beobachtung überrascht werden, daß die Druckfläche keineswegs plan ist. Nicht als ob der Stock sich verbogen oder sonstwie im Laufe der Zeit verändert hätte: von vornherein ist der Schnitt so geführt, daß die druckende Oberfläche an einigen Stellen tiefer liegt als an anderen. Der Holzschneider hat damit, gerechnet, daß unter kräftigem Druck auch die tiefere Schicht das Papier berührt, und daß sie das Papier leichter und zarter berührt als die höhere Schicht, er hat also durch Variierung der Druckkraft eine Nuancierung der Zeichnung angestrebt. Der Versuch, das nach Zeichnung und Schnittweise außerordentliche Blatt in Niederdeutschland, etwa in Köln oder in Holland oder in Westfalen unterzubringen, glückt nicht. Das Rätsel löst sich, wenn wir Zeichnungen und Gemälde des älteren Hans Holbein vergleichen. Dieser Maler ist als Holzschnittzeichner so gut wie unbekannt. Nur vor einem Holzschnitt, einem Unikum in der Baseler Sammlung, der hoffentlich in Bälde veröffentlicht werden wird, ist seine Stilweise wiedererkannt worden. Dieses bedeutende Werk ist merkwürdig durch ungewohnt gemäldehafte Erscheinung, durch kräftig ausgebildetes Helldunkel. Die Vergleichung zwischen diesem Holzschnitt und dem Derschau'schen wird dadurch erschwert, daß die sprödere und dünnere Zeichnung unserer Verkündigung mindestens teilweise dem Zustande des Druckstockes zur Last fällt. Das Baseler Blatt ist ein früher, guter und saftiger Druck. Ein Kriterium von objektiver Art, das vielleicht mehr Überzeugungskraft besitzt als stilanalytische Bemühung ist in dem doppelt gekoppelten Fenster mit den halbhohen Gitterstäben gegeben. Ahnliche Fenster sind zweimal zu finden, nämlich in Holbeins Sebastiansaltar, hinter der hl. Elisabeth und in einer Baseler Zeichnung des Meisters mit dem Marientode (datiert 1508, abgebildet Schönbrunner Meder, Tf. 673, als „Schule Holbeins" und auch in Glasers Buch über den Meister Nr.265 als Kopie). Ich halte die Bedenken gegen diese Zeichnung für unberechtigt, aber auch als Kopie wäre sie ein Beleg in bezug auf das architektonische Motiv. Allzu kühn wäre es bei dem gegenwärtigen Stande der Kenntnisse, die Verkündigung einfach als einen Holzschnitt des älteren Holbein auszurufen. Sicherlich dürfen wir aber das Werk in die Nähe, in den Wirkungsbereich des Augsburgers rücken, und bei ferneren Bemühungen, seine Beziehung zum Holzschnitt aufzuklären, ist es in Betracht zu ziehen.
m

Holzschnitt, Handdruck von originalen Holzstock (Anfang 20. Jahrhundert)
Woodcut, print from the original-woodblock (ca. 1910)

(Nähere Erklärungen zu graphischen Techniken s. Leiste links)
(More explanations about graphic-techniques see left column))


Enstehungszeit / time of origin: ca. 1500
Größe/size (in cm.) ca.:26x20


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