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Engelmann, Godefroy (1788-1839)
Engelmann, Godefroy, frz. Lithograph, Drucker, Zeichner, Maler, Unternehmer, *17.8.1788 Mulhouse/Elsaß, †25.4.1839 ebd. Vater von Jean E. und Godefroy E. (s.u.). 1802 Pensionat bei einem Pfarrer (Zeichenunterricht) in Vevey/Schweiz; danach kaufmänn. Ausb.: 1804-05 in einem Handelshaus in Mulhouse, 1805-07 in La Rochelle und Bordeaux. 1808-09 EcBA Paris bei Jean-Baptiste Regnault. Rückkehr nach Mulhouse; bis 1813 Musterzeichner in der Kattunfabrik von Jean Thierry; außerdem Miniaturen. 1809 ooAnne-Catherine Thierry; durch Vermittlung des Schwiegervaters Eintritt in eine bonapartist. Freimaurerloge; E. unterbreitet dort 1812 ein Projekt zur Schaffung einer Ges. zur Förderung von Kunst und Handwerk, das 1825 wiederaufgenommen wird und zur Gründung der Soc. Industrielle de Mulhouse (Mitgl.) führt. 1813 wird E. durch seinen Freund Edouard Koechlin auf die Lith. hingewiesen; er erkennt rasch das künstler. wie kommerzielle Potential der neuen Technik, unternimmt erste Versuche und reist im Juli/August 1814 nach München, um seine Kenntnisse zu vertiefen; wahrsch. vermittelt Johann Baptist Stuntz den Kontakt zu den Lithographen Johann Nepomuk Strixner und Ferdinand Piloty. 1814 Einrichtung einer lithogr. Druckerei in Mulhouse (Inkunabeln, u.a. nach Jacques Swebach-Desfontaines und Jean-Baptiste Huet); März 1815 Gründung der Soc. lithotypique du Haut-Rhin. Juni 1816, vermittelt durch Pierre Antoine Mongin (Korr.), Eröffnung einer Pariser Filiale; Pierre Thierry, Schwager von E., übernimmt die Mulhouser Druckerei, die sich v.a. der kommerziellen Verwertung widmet. E. sucht in Paris, anerkannte Künstler und die staatl. Kunstadministration für die Lith. zu interessieren; so legt er 1816 der ABA einen Recueil d'essais lithogr. dans les différents genres de dessin tels que manière de crayon, de la plume, du pinceau et de lavis zur Begutachtung vor. Im Gegensatz zur überwiegenden Mehrzahl der dt. Lithographen, die sich zunächst auf die Reprod. konzentrieren, favorisiert er die Orig.-Lith., bei der die Künstler direkt auf den Stein zeichnen (bed. Inkunabeln u.a. von Regnault, Mongin, Anne-Louis Girodet, Horace Vernet, Joseph Denis Odevaere, Alexandre Evariste Fragonard und François Gérard). Weitere Veröff. dieser Periode u.a.: Cours complet du dessin, 1816-18 (zus. mit Mongin, Fragonard, Carle Vernet, Jean-Louis Demarne und Chrétien), zu dem E. selbst Blumen- und Pflanzen-Darst. beiträgt; Victor Bertin, Etudes d'arbres, 1816-24; Gal. des militaires franç., 1818; Carle und Horace Vernet u.a., Fables de La Fontaine, 1818; Jean-Baptiste Isabey, Divers essais lithogr., 1818; Louis Nicolas, comte de Forbin, Voyage dans le Levant, 1819; Souvenirs pittoresques du Général Bacler d'Albe, 1819; Baron Taylor, Voyages pittoresques et romantiques dans l'ancienne France, 1820 ss. Unter den Künstlern, die in diesen frühen Jahren der frz. Lith. bei E. drucken, sind ferner zu nennen: Adrien-Victor Auger, Jean-Baptiste-François Bosio, Aegidius Touchemoulin, Jean Alphonse Roehn und Nicolas-Toussaint Charlet; in der Folgezeit wächst ihre Zahl beständig an. E. trägt damit (nach dem mißlungenen Versuch von Frédéric André 1802 und zus. mit Charles-Philibert de Lasteyrie, der seine Pariser lithogr. Anstalt im April 1816 eröffnet) wesentl. zur Durchsetzung der Lith. in Frankreich und zu ihrer Anerkennung als einer künstler. fruchtbaren Technik bei; zugleich bemüht er sich stetig um Verbesserung und Weiterentwicklung (z.B. 1818 Druck auf Seidentüchern; 1819 Verfahren zur Imitation von Chinatusche). Der Höhepunkt der künstler. Produktion fällt in die 1820er Jahre: regelmäßig arbeiten u.a. Théodore Géricault, Eugène Isabey und Richard Parkes Bonington bei E., seltener Honoré Daumier, Jean-Auguste-Dominique Ingres, Pierre Paul Prud'hon und Eugène Delacroix. 1825 Auflösung der bisherigen Ges.; Neugründung als Soc. E. et Cie (zus. mit Jérémie Graf und P. Thierry); 1826 Eröffnung einer Filiale in London, deren mangelhafte Ltg 1833 zur Auflösung der versch. Ges. führt; E. kehrt nach Mulhouse zurück und gründet zus. mit seinem Sohn Godefroy E. (*1814, †1897) die Soc. E., père et fils; Pierre und Jean Thierry übernehmen die Pariser, Graf die Londoner Filiale. Die Produktion in Mulhouse erreicht in den 1830er Jahren einen Ausstoß von jährl. mehreren Hunderttausend Exemplaren. 1836-39 (Patent 1837), zus. mit Godefroy E., Erfindung der Chromo-Lith.; Gründung einer Soc. de Chromo-Lith. (zus. mit seinem zweiten Sohn Jean E.). – Neben den ersten lithogr. Versuchen, den Beitr. zum Cours complet... sowie weiteren Blumen-Darst. von 1819 beschränkt sich die orig. künstler. Produktion von E. auf wenige Portr. und Lsch. (Min. und z.T. lithogr. Zchngn), die sich im Besitz der Fam. befinden. Ausz.: 1816 Silber-Med. der Soc. d'Encouragement pour l'Industrie Nat.; 1817 silberne Ehren-Med. der Soc. Athénée des Arts; 1819 Med. 2. Kl.; 1838 Gold-Med. der Soc. industrielle de Mulhouse. Portr. (Lith.) von E. schufen Fragonard, Alexandre Jean Dubois-Drahonet (1816), später Madame Munier-Romilly sowie zwei anonyme Künstler.
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