Arthur Julius Barth (* 22. November 1878 in Meißen, † 17. Juli 1926 in Rehbrücke)
war ein deutscher (Porzellan-)Maler und Graphiker. Barth war als Künstler aus dem Kreis der Manufakturarbeiter der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen hervorgegangen. Seine Laufbahn dort begann 1896 mit der Aufnahme in die Zeichenschule der Manufaktur, die hauptsächlich durch das Zertifikat der Kunstgewerbeschule Dresden ermöglicht wurde. Barth hatte seit 1893 dort privat Zeichenunterricht erhalten und war dann in die Klasse „Buntdruck“ von Prof. Woldemar Müller gewechselt. Einer seiner Mitschüler dort war Franz Huth, der später durch seine Interieurdarstellungen von Schlössern und Kirchen bekannt wurde. Seit Herbst 1896 wird Barth an die traditionelle Landschafts- und Blumenmalerei der Manufaktur herangeführt. Gleichzeitig ist er mit Entwürfen und der Ausführung zeitgemäßer Porzellandekoration beschäftigt. Hier muss besonders seine Mitwirkung an der Herstellung der Fliesenbilder für die Wartsäle des Dresdener Hauptbahnhofs (erbaut 1890-97) erwähnt werden, die durch den Malereivorsteher Philipp Georg Ludwig Sturm ermöglicht wurde. Für seine Darstellung der Stadtkirche von Meißen im Zusammenhang mit einer Ausschreibung für Künstlerpostkarten erhält Arthur Julius Barth 1897 einen Preis erster Ordnung. In die Jahre 1897 bis 1901 fällt die Ausbildung als Figurenmaler sowie ein Studium (Ostern 1899 bis Mai 1901) an der Königlichen Kunstakademie Dresden. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten wird Barth hier, vorbei an der Unter- und Mittelklasse, sofort in den Malsaal des Bildnis- und Genremalers Prof. Leon Pohle aufgenommen. Mit einem Ehrenzeugnis mit Preis geht Barth Ostern 1901 von der Kunstakademie ab. Als Figurenmaler hatte Barth nun die oberste Stufe in der Hierarchie der Malereiabteilung erreicht. Ein erneutes Studium an der Königlichen Kunstakademie Dresden ab September 1903 in der Klasse des Malers Carl Bantzer, führte ihn im Sommer 1904 zu Studien in die Malerkolonie nach Willingshausen (Hessen). Mit Beginn des Wintersemesters 1904/05 schreibt sich Barth für die Ornamentschule Prof. Otto Gußmanns ein, die er mit Unterbrechung im Sommer 1905 bis zum Ende des Sommersemesters 1906 besucht. An Stelle der großen goldenen Medaille erhält Arthur Julius Barth 1906 für seine Leistungen einen Geldpreis. Nach einigen Jahren der Stagnation vor der Jahrhundertwende, war die Königliche Porzellanmanufaktur Meißen ab 1900 in eine Phase der strukturellen und künstlerischen Erneuerung getreten. Neue Technologien, wie der Scharffeuerbrand, erforderten neue Farben und Glasuren. Der Zeitgeist hatte sich den Formen und Farben des Jugendstils zugewandt. Träger dieser neuen Ideen war eine Gruppe von Künstlern, die weitestgehend, wie z.B. Arthur Julius Barth, aus der Manufaktur selbst hervorgegangen waren. Um in die, von Theodor Grust eingerichtete Scharffeuerabteilung als Figuren- und Landschaftsmaler eintreten zu können, hatte sich Barth für das Wintersemester 1906/07 an der Kunstakademie beurlauben lassen. Als dann auch zu Beginn des Sommersemesters 1907 keine Rückmeldung erfolgte, wurde Barth durch Vermerk per 14. 5. 1907 als ausgeschieden betrachtet. 1911 erhält Arthur Julius Barth ein eigenes Atelier, in dem er bis zum 30. 6. 1914 in vielfältigster Weise wirkte. Von ihm stammen zahlreiche Geschirrformen und – dekorationen. Besonders in der Landschaftsmalerei, einem speziellen Anwendungsgebiet der Scharffeuerfarben, brachte es Barth zu einer bedeutenden Zahl von Entwürfen. Als so genannte Städteteller entstanden dann nach 1908 Ansichten von Meißen, Dresden, Moritzburg, Freiberg, Pillnitz, Bautzen, Chemnitz, Plauen i.V. und Zwickau. Anknüpfend an die Erfahrungen bei der Herstellung der Fliesenbilder für den Dresdner Hauptbahnhof, konnte Barth hierbei die so genannte Meissner Blaumalerei kultivieren. Mit seiner Ansicht des Meißener Domes auf einem Teller zur Erinnerung an die Glockenweihe in den wieder aufgebauten Westtürmen am 27. Oktober 1908, schuf er das Muster des so genannten Städtetellers. Der ausgeprägte Wiedererkennungseffekt derartiger Darstellungen ließ kaum künstlerische Experimente zu, wurde jedoch von mehreren Porzellanfabriken nachgeahmt. Eine Vielzahl kalligraphisch anmutender Entwürfe, die sich im Archiv der Manufaktur erhalten haben, belegen jedoch das Bemühen Barths, der Blaumalerei neue Ausdruckformen zu erschließen. Realisiert wurde 1912 eine Schüssel in einfacher, klarer Form, die von Barth mit abstrakten Formen dekoriert wurde. Wirklich dekorative Landschaftsdarstellungen, die Arthur Julius Barth einigen Spielraum in der Darstellung ermöglichten, entstanden in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg für Deckelvasen und Erinnerungsteller. Eine Anbietplatte mit figürlichem Schmuck (Jüngling, eine Ochsen am Zaum führend) von 1908 oder zwei Teller mit Blick auf Meißen von 1912 belegen seine gestalterischen Möglichkeiten. Letztere verzichten bereits auf die obligatorischen ornamentalen Gravurränder und wirken einzig und allein durch Barths romantische Landschaftsdarstellungen. Bereits an die Farben und Formen des Art deco erinnert eine Vase mit belbem Grund und violettfarbenem Medaillon, eine ländliche Szene darstellend, ebenfalls von 1912. Um die Palette der Motive für die Manufaktur zu erweitern, wurde es einigen Porzellanmalern, darunter auch Arthur Julius Barth, ermöglicht, Studien in den zoologischen Gärten von Berlin und Stellingen bei Hamburg zu betreiben. Leider konnte Barth seine gelungenen Tierstudien kaum umsetzen. Hingegen finden sich seine Eindrücke von Reisen durch Holstein, Pommern oder Bayern – wenn nicht auf Porzellan – so doch als dekorative Grafiken wieder. Vom 1. Mai bis 15. Oktober 1912 fand im Städtischen Ausstellungspalast in Dresden die Große Kunstausstellung statt. Sowohl als Mitglied der Dresdener Kunstgenossenschaft als auch als Mitarbeiter der Porzellanmanufaktur waren Werke von Barth zu sehen. Der Katalog verzeichnet allein 19 Positionen mit Motiven aus Holstein und Sachsen. Es handelt sich ausschließlich um Radierungen und Zeichnungen als Ergebnis der Studienreisen. Nach 1914 ediert der Verlag Ernst Arnold eine Folge von Radierungen Barths unter dem Titel „Dresden“, dessen zweiter Teil 1919 erscheinen wird. Weitere Mappenwerke – Potsdam, Alt-Meißen, Weimar, Märkische Ansichten, zwei Elfen-Mappen, Ludwig Richter-Mappe – werden ab 1919 durch den Verlag der Truhe, Meißen herausgegeben. Ebenfalls 1914 hatte der Schulwart als Anschauungsmaterial für Schule und Haus aus Darstellungen von Barth neun Wandtafelns zusammengestellt. Unter der Bezeichnung „Neue farbige Künstler-Steinzeichnungen“ konnten verschiedene Motive angefordert werden. Am 11. 6. 1910 hatte Arthur Julius Barth in Berlin-Zehlendorf die Tochter des Hamburger Kaufmanns Wilckens, Anna Marie, geheiratet. Seinem Wunsch nach unabhängigem, künstlerischem Wirken konnte er jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht folgen. Die Finanzierung der Studien an der Kunstakademie Dresden durch die Manufaktur banden Barth noch bis 1914 an Meißen. Begleitet von Spannungen wurde dann im Juni 1914 der Vertrag mit der Manufaktur gelöst. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Familie Barth bereits ein Haus beziehen, das sie sich in der Villenkolonie Rehbrücke bei Potsdam von dem Architektenbüro Brinkmann errichten ließ. Das Haus in der Burgstraße 11 erhielt nach den Wünschen der Bewohner im Erdgeschoss ein Musikzimmer (Marie Barth war an der Musikhochschule Berlin zur Pianistin ausgebildet worden), sowie im Obergeschoss ein Atelier für Arthur Julius Barth. Von hier aus beteiligte er sich an der Großen Berliner Kunstausstellung von 1916 mit der Radierung „Holsteinischer Katen“. Barths Wirkungsbereich seit der Ansiedlung in Rehbrücke war Potsdam geworden. Hier war er Mitglied des 1908 gegründeten Kunstvereins, dessen Zusammenkünfte in den Räumen der Kunsthandlung Heidkamp in der Schwertfegergasse den Kontakt und Gedankenaustausch zu anderen Künstlern ermöglichte. Bald nach den kargen Jahren des ersten Weltkrieges wurde 1921 in der Orangerie von Sanssouci der erste Potsdamer Kunstsommer initiiert. Arthur Julius Barth war mit je zwei Radierungen, Lithographien und Kohlezeichnungen, darunter die Radierung „Saarmunder Chaussee“, vertreten. In den zwanziger Jahren fertigte Barth eine Unmenge von Ansichten der Sehenswürdigkeiten Potsdams und Sanssoucis, die sich bei den Touristen großer Beliebtheit erfreuten. Diese, zumeist kleinformatigen Zeichnungen, waren Ausdruck der kommerziellen Seite seines künstlerischen Schaffens. Aber auch das Dorf Bergholz mit dem traditionellen Dorfkern und der diesen überragenden Windmühle sowie die Villenkolonie Rehbrücke boten dem Künstler reichlich Motive. Die 1894 entstandene Freundschaft mit Franz Huth, der sich in Weimar niedergelassen hatte, führte zu gemeinsamen Studienreisen durch Thüringen. Durch Huth wurde Barth an die Interieurmalerei herangeführt und Huth war es auch, der Marie Barth und die Kinder nach dem frühen Tod Arthur Julius Barths unterstützte. Für den Herbst 1927 bereitete der Potsdamer Kunstverein im Leibreitstall eine Ausstellung mit Werken Potsdamer Künstler vor. Arthur Julius Barth hatte vier Ölgemälde, darunter „Winter in Rehbrücke“ und ein Pastell eingereicht. Die Präsentation selbst hatte er nicht mehr erleben können. Ende Juli 1926 zeigte die Familie Barth den Behörden in Potsdam an, dass der Maler Arthur Julius Barth am 17. 7. 1926 im 48sten Lebensjahr an einer Lebensmittelvergiftung, die als solche nicht erkannt worden war, verstorben sei. Am 19. Juli wurde er auf dem Friedhof in Bergholz beigesetzt. Barth war am 22. 11. 1878 in Meißen als Kind des Kaufmanns Julius Arno Barth und der Henriette Agnes, geb. Schneider zur Welt gekommen. Die Tätigkeit des Vaters brachte der Familie durch ständige Ortswechsel ein unruhiges Leben. So erfolgte die schulische Bildung Arthur Julius` an der Mittleren Bürgerschule zu Meißen, der 1. Bezirksschule in Dresden sowie der Mittleren Bürgerschule Zwickau. In Strehla bei Meißen jedoch wuchs er auf – hier fand er später die Motive „Schloßeingang bei Strehla“, „Eiche in Elbwiese bei Strehla“ oder „Schloß Hirschstein“. Mit Meißen verband ihn die Tätigkeit an der Porzellanmanufaktur, aber auch das Wirken Ludwig Richters, der von 1828 bis 1835 als Lehrer an der Meißner Kunstschule wirkte. Seine Verehrung für diesen Künstler und die Stadt Meißen brachte Barth durch die Herausgabe der Ludwig-Richter-Mappe zum Ausdruck. Letztere übergab Marie Barth anlässlich der Jahrtausendfeier 1929. Marie Barth war es auch, die im Frühjahr 1927 in den Räumen der Berliner Kunsthandlung Sagert & Co. In der Potsdamer Straße eine Gedenkausstellung mit Gemälden, Aquarellen und Pastellen ermöglichte. Und schließlich sollte es noch einmal der Potsdamer Kunstverein sein, der seinem ehemaligen Mitglied ehrendes Angedenken entgegenbrachte. Als der Verein 1934 sein 25jähriges Bestehen mit einer Ausstellung begeht, ist auch Arthur Julius Barth mit den Ölgemälden „Am Wilhelmplatz“ und „Burg Dornburg an der Saale“ vertreten. Im Begleitheft zur Ausstellung „Potsdam als Künstlerstadt“ charakterisiert der Ehrenvorsitzende Karl Röhrig Arthur Julius Barth als „unermüdlich schaffend, nicht bloß in der Erfassung der Landschaft, sondern auch in phantasievollen und gedanklichen Schöpfungen ein Meister.“

Siegfried Jahn zur Gedenkausstellung in Bergholz-Rehbrücke vom
17. Juli 2001 - 29. Juli 2001