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Geyger, Ernst Moritz (1861-1941)
geb. 09.11.1861 Berlin - RixdorfGing 1877 auf die Kunstschule, 1878 auf die Berliner Akad., um Maler zu werden, und besuchte nacheinander die Klassen von P. Thumann, M. Michael und Paul Meyerheim, dessen Tierdarstellung er, von gleicher Neigung getrieben, besonders bewunderte; 1882 verließ er die Akad. und betätigte sich drei Jahre lang als Maler (Stilleben, Tierbilder, Bildnisse, ,,Kaiser Wilhelm a. d. Wege n. d. Charlottenburger Mausoleum" u. a.), ging aber 1885 zur Graphik über, die er bei Hans Meyer erlernte.Dem Studium u. der Ausübung des Kupferstiches, der Kaltnadelarbeit u. der Ätzung widmete er die nächsten zehn Jahre, und auf allen 8 Gebieten brachte er technisch Meisterhaftes hervor, weniger original-schöpferisch, außer einem gleich zu erwähnenden Zyklus von Tierbildern hat er nur ein Bildnis gestochen u. zwei Landschaften (Platane am Genfer See 1888 und Blick aus S. Miniato 1890) radiert -, als reproduzierend in der unübertrefflichen Nachbildung von Gemälden, wie Botticellis Primavera (Stich), Herkules Seghers Landschaft (Berlin, K. F. M., No 806 B; Kaltnadel) und des Bildnisses des Ant. da Messina (ebenda No 18; Stich und Aquatinta).;An dem großen Primaverastich, zu dem ihn ein Besuch in Florenz (1888/91) veranlaßte, arbeitete er fünf Jahre lang (1890/94), bestrebt, alle Feinheiten des Originals mit den raffiniertesten Mitteln der Stichtechnik wiederzugeben. Inzwischen hatten aber den Radierer schon die Einfälle des Tiermalers beschäftigt: nach einigen Radierungen im Geschmack Landseers erschienen 1887 sechs Blätter als Teil eines in größerem Umfang gedachten Tierzyklus, darunter der sichernde Hirsch u. der Brunfthirsch mit der Hirschkuh, ein Löwenpaar und Affen im Käfig, auch satirische Blätter wie "Die Weisheit" (Marabu mit gespreizten Flügeln auf einem Bein stehend), die Elefanten, die sich der Macht des Menschen unterwerfen usw. Seine eifrigst betriebenen Affenstudien verwertete Ernst Moritz Geyger dann in der 1888 geätzten ,,kleinen" u. bald darauf in der ,,großen Darwinistischen Disputation", letztere eins der graphischen Hauptwerke Ernst Moritz Geygers (die Studien dazu in der Nat.-Gal. in Berlin). Noch hatte Ernst Moritz Geyger den großen Primavera-Stich nicht beendet, als er 1893 einen Ruf an die Dresdener Akad. zur Übernahme des Meisterateliers für Kupferstich erhielt. Er nahm an, blieb aber nur 5 Monate, ging nach Paris und von da 1895 zu dauerndem Aufenthalt nach Florenz, wo er sich in der Villa Marignolle eine Werkstatt einrichtete. Ein zweites Atelier hat er in Berlin, u. wie sein Leben sich in beiden Städten abspielt, so teilt sich seine Arbeit von nun ab zwischen Bildhauerei und Graphik: 1894 fertigt er einen Bildnisstich von Helmholtz, von 1899 ist die unvollendete Radierung ,,Die Klugheit beleuchtet die Gemeinheit" datiert (eine Eule sitzt mit einem Spiegel in den Fängen auf einem Wildeber); von 1906 stammt die eindrucksvolle Radierung eines bei nächtlichem Gewitterhimmel in den See tretenden Hirsches; 1907 entsteht der Stich nach dem 1. Flügel des Bertin-Altares im Berliner Museum. Schon 1888 aber hatte sich Ernst Moritz Geyger in dem Bedürfnis, sich über Naturformen genauere Rechenschaft zu geben, als sie die Flächenkunst gestattet, der Bildhauerei zugewandt, als Autodidakt sich im Modellieren versucht, und zwar gleich an einer komplizierten Tierkampfgruppe: einem von einem Löwen überfallenen Nilpferd, die er in Florenz in Bronze gießen ließ und dort aufs genaueste durchziselierte. Es folgen dann eine Reihe Kleinbronzen, ein dornausziehender Affe , Sirene auf einem Delphin (Tintenfaß), einige Plaketten, weibliche Büste (Nat. Gal. Berlin), die Büsten seines Söhnchens, der Mutter (in Terrakotta), des Bildh. Rob. Diez, W.v. Seidlitz', Brunnen für Breslau (Wasserspeiender Bär, 1902), ein Tafelaufsatz (Nat.-Gal.), zwei in Silber gegossene, aufs feinste durchmodellierte und ziselierte Standspiegel (i. Bes. d. Kaiserin u. d. Bremer Ksthalle) und ein mit silbervergoldetem Relief geschmückter Kamm, die Ernst Moritz Geygers Können nicht nur als Reliefkünstler sondern ihn auch als gewandten naturalistischen Ornamentiker zeigen. Auf der Pariser Weltausstellung war Ernst Moritz Geyger mit einem in Marmor und Elfenbein ausgeführten Stier vertreten. Schon vorher hatte er eine überlebensgroße nackte Jünglingsfigur in dem Bogenschützen modelliert, wohl sein reifstes Werk, das in Bronze in Sanssouci aufgestellt wurde (1902).-Wiederholung am Dresdner Königsufer. Sein zweites großes bildhauerisches Werk ist der im Berliner Humboldthain aufgestellte Marmorstier, auf dessen recht weit getriebene naturalistische Ausführung er mehrjährige Arbeit (1896 bis 1900) gewandt hat. 1918 wurde Ernst Moritz Geyger, obwohl er in letzter Zeit hauptsächlich als Tierplastiker hervorgetreten war, an Karl Köppings Stelle zum Lehrer für Graphik an die Berl. Kunstakad. berufen. In seinem Streben nach äußerst realistischer Darstellung wie in seiner Achtung vor der klassischen Kunst gehört Ernst Moritz Geyger als Maler, Graphiker u. Bildhauer der Berliner Schule an. Am 11. Dezember 1941 starb Geyger in Florenz, seine Asche wurde auf dem Ulmer Friedhof beigesetzt.
Literatur:
Rapsilber, E.M.Ernst Moritz Geyger (Koch's Monographien, V), Darmstadt 1904 (z.T. in Deutsche Kst u. Dekoration, 1904 II 85-414).
H. W. S i n g e r, Moderne Graphik, 1914. -Radenb rg, Mod. Plastik (Langewiesches ,,Blaue Bücher"), 1912. - Kunst für Alle, VII 831 f.; X 61, 159; XIV 15, 47; Die Kunst III 102, 214, 434; XI 410.
Die Graph. Künste, 1890 p. 45 u. 56ff. (m 1 Or.-Rad.v.Ernst Moritz Geyger). Leipz. Illustr. Zeitg, 1903, p. 687 if. (A.Römer).
Monatshefte f. graph. Kstgew. 1904 II 7-76 (H e n n i g, Ernst Moritz Geyger als Graphiker).
Münchener Jahrb. d. bild. Kst, IV (1909 171-187 (J. Guthmann).
Jahrb. d. pr. Kunstsamml. XII, 171.
Jahrb. d. bild Kst, 1903,p. 40, 56, 59.
Werke (Auswahl):
"Idealfrauenbüste" Nationalgalerie Berlin
"Bogenschütze" 1900, Kaiser Wilhelm II.
aufgestellt im Schloßpark zu Sanssouci
Die Wiederholung des "Bogenschützen" steht an hervorragender Stelle unterhalb des Staudengartens am Dresdner Königsufer.
"Syrene auf Delphin" Bronze; sowie zwei silberne Spiegel und Schmucksachen im Kunstgewerbemuseum Berlin
"Marmorstier" 1901; Magistrat, Berlin
verschiedene Stiche, darunter:
"Darwinistische Affendisputation"
"Prima vera (nach Botticelli)"
Kupferstichkabinette:
Leipzig, Hamburg, Bremen, Berlin, Dresden, Albertina, Wien, Budapest
Ölbild in der Staatlichen Gemäldegalerie Dresden:"Kuhstall des Fürsten Eulenburg-Liebenberg"
Steinrelief:
"Junger Bacchus", "Kinder", "Bronzeportal", "Elektrische Kandelaber" aus Mamor,
(sämtlich ehemals Palais Guthmann, Berlin Voßstrasse 15)
Mamorstatuen:
"Erhabenheit" und "Gemeinheit"
(Baurat Löwe, Berlin)
"Geygerbrunnen" monumentale Anlage 1915-19, (Neukölln)
auch "Märchenbrunnen"
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