Max Slevogt

deutscher Maler und Graphiker, * 8.10.1868 Landshut, † 20.9.1932 Neukastel (Pfalz);

Ausgewählte Werke

Selected Works

1884-90 Stud. an der Münchener Akad. der Künste u. a. bei W. von Diez, beeinflußt auch von W. Trübner, W. Leibl, A. Böcklin, den Auseinandersetzungen um die Gründung der Münchener Sezession 1892 und um den Jugendstil. Eine Italienreise 1889/90 verhalf ihm zur Lösung vom Münchener Akad. betrieb. Ab 1890 lebte S. in München, unterbrochen von Studienreisen (z. B. 1898 zu einer Rembrandt-Ausst. in Holland), sein Interesse galt v. a. der niederländ. Kunst. 1901 kurze Zeit in Frankfurt/M., seit 1901 in Berlin, in den Sommermonaten vorwiegend auf seinem Landgut Neukastel in der Pfalz. S. wurde 1901 noch für München Prof., 1914 in Berlin Mitglied der Akad. der Künste, 1917 Leiter eines Meisterateliers. Ab 1899 stellte Cassirer S. aus, enge Verbindung seitdem auch zur 1899 gegr. Berliner Sezession. Wesentl. Seiten im Schaffen S.s sind bedingt durch die Verflechtung seiner malerisch-zeichner. und musikal. Begabung (talentierter Sänger und Pianist; Verehrung bes. für Wagner und Mozart; Freundschaft mit Musikern, v. a. dem Sänger d'Andrade [Porträtskizzen und Rollenbildnisse]; Bühnenbilder, bes. zur Dresdener Don-Giovanni-Inszenierung 1924), Auswirkungen zeigen sich in der Thematik (Zeichnungen zu Musikthemen schon in den 1880er Jahren) wie z. T. in der gestalter. Struktur vieler seiner Arbeiten. Daneben entstanden in der Münchener Zeit Leibl und dann Trübner verpflichtete Bildnisse. Obwohl mit dem dt. Impressionismus verbunden und ihn entscheidend mitprägend, läßt sich das Gesamtwerk nicht auf diesen reduzieren, da S. ebenso Anregungen des Naturalismus, älterer realist. Traditionen (niederländ. Kunst des 17. Jh., auch Rembrandt), Symbolismus und Jugendstil aufnahm, wie allen sezessionist. Bestrebungen gegenüber offen war. Dazu war seine Phantasie auch viel zu reich an figürlich-gegenständl. Vorstellungen, viel zu aufgeschlossen für mytholog., bibl. und märchenhafte Stoffe und ihre aktuelle wie humanist. Deutung, wie nicht zuletzt die Wandbilder und die Illustrationen belegen (v. a. Lithographie). Seit 1896 zeichnete S. für die Münchener Zeitschriften »Jugend« und bes. »Simplicissimus« (bis 1899, z. T. auch polit. Karikaturen neben Phantasiegebilden). Damals begann der Weg des Illustrators S.: Ali Baba, 1903; Ilias, Coronna, beide 1907; Lederstrumpf, 1909; B. Cellini, 1913; Achilles, 1916; Die Inseln Wak-Wak, 1922, meist bibliophile Ausgaben. Seine Illustrationen vereinen wie zahlreiche Gemälde sachl. Darstellung, Sinn für Momenthaftes und neuromant. Gefühlssteigerung, die das Märchenhafte (z. B. Der Ritter und die Mädchen, Gem., 1903, Dresden, Gem. Gal. Neue Meister) ebenso verarbeitet wie pointierte, gelegentlich bis zum Grotesken oder Düsteren geführte Handlung (Bremen, Ratskeller, Hauff-Saal, 1926/27). Auch im maler. Werk ist diese Weite des Schaffens zwischen immensem Wirklichkeitssinn (z. B. die Bildnisse, u. a. E. Fuchs, 1905; H. Sudermann, 1927; Selbstbildnisse, 1906 [Leipzig], 1907 [Kaiserslautern], 1913 [München, Städt. Gal.], 1930 [Mannheim]) und Empfindungstiefe wie reich bewegter Farbigkeit, gelegentlich nahezu neurokokohaft heiter strömender Sinnlichkeit (einige Frauenbildnisse; Themen der Musik, einzigartig die Randzeichnungen zu Mozarts »Zauberflöte«, 1917-20). Im Frühwerk dominieren dramatisierte mytholog. Themen, vital und z. T. aktuell bewußt angepackt, oft mit naturalist. aufrührer. Kraßheit und damit gegen die offizielle bzw. triviale Historienmalerei gewendet (Danae, Salome, Totentanz, alle 1895; Triptychon Tanz, 1895), die »Danae« löste in München einen Skandal aus. Höhepunkt ist das Triptychon »Der verlorene Sohn«, 1898/99 (Stuttgart, Staatsgal.). Die Farben sind dunkel und schwer, neuromantisch stimmungshaft selbst in den frühen Landschaften (auch die ital. Landschaften von 1890), die Figuren derb, die Bewegungen oft heftig, z. T. momenthaft. Umfassendere Kenntnisnahme des franz. Impressionismus (z. B. É. Manet nahe Stilleben von 1899/1900) und die Begegnung mit der pfälz. Landschaft (Neukastel, 1898) verändern Malweise und Farbskala, das Licht wird zum überwältigenden Faktor des Bildes bis zu den feinsten Nuancen der lichten, gleichwohl (süddt.) kräftigen und z. T. durchaus noch pastos gemalten Töne. Die Entwicklung vollzieht sich über die im Vergleich zu M. Liebermann stillebenhafteren, dafür aus reichen Komplementärfarben lebenden Frankfurter Zoobildern von 1901, die Rollenbildnisse (Der weiße d'Andrade, 1902; Der rote d'Andrade, 1912; Marietta di Rigardo, 1904; Anna Pavlova, 1909), die Landschaften um 1910 (Godramsteiner Landschaften, 1909-11; Blumengarten Neu-Cladow, 1912) bis zu den Lichthymnen der Ägyptenbilder von der Reise 1913/14, die weit mehr sind als bloßer Augenschein (Morgen b. Luxor, 1914). Im gleichen Geist waren die Wandbilder für den befreundeten J. Guthmann in Neu-Cladow, 1911. Den Weltkrieg reflektiert S. in fast daumierhaften bzw. goyesken (Der Verantwortliche, Litho, 1917) Visionen (Zeichnungen auch für die Zeitschrift »Bildermann«, für das Kriegstagebuch von 1917; Lithofolge »Gesichte«, 1917). Beide Aspekte prägen fortan das Nachkriegswerk, einesteils die ideale, lichterfüllte und heiter-spielerisch genußvolle Welt seiner Bühnen- und einiger Wandbilder (bes. Bibliothek, Musikzimmer auf seinem Landgut Neukastel ab 1924 nach Themen aus Mozart und Wagner), eine persönlich durchdrungene Gestaltenwelt als gemalte Gleichnisse. Doch erscheint auch dort eine dramat. Sicht des Todesmotivs (u. a. Siegfriedzyklus), die die Passionsgraphiken (1922/23) ebenso beeinflußt hat wie die 510 Illustrationen zu Goethes »Faust II«. Zum Haupthema des Spätwerks gehört die pfälz. Herbstlandschaft. Abschließendes Bekenntnis zu einem ethisch verantwortungsvollen Humanismus wurde das religiöse Monumentalfresko »Golgatha« für die Friedenskirche Ludwigshafen (1932, im 2. Weltkrieg zerstört).

Die tapferen 10.000 (The brave 10.000)
DIE INSELN WAK WAK (WAK WAK Islands)
"Kitcheners Schlachtopfer"
Aus "Faust" (From "Faust")
Heldengrab (Heroes-grave)
Hölle (Hell)
Tierstudien (Animal-Studies)
Die Heiligen sind es und die Ritter (Scene from Goethe "Faust")
Vignette (Vignette)
Aus der Drachensst wachsen Geharnischte (Armoured heroes are growing out of the seed of discord)

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