Gustav Wolf

LEBENSDATEN

1887
Gustav Wolf wird am 26. 6.1887 in Östringen als jüngstes von fünf Kindern des Kaufmanns Sigmund und dessen Frau Jette, geb. Bernheimer geboren.

1897
Wolf erhält bei dem benachbarten Pfarrer Latein- und Griechischunterricht. Noch im gleichen Jahr zieht er zu seiner in Bruchsal vermählten Schwester Hermine Baer, um dort das Großherzoglich Badische Gymnasium zu besuchen. Er nimmt Privatunterricht bei der Karlsruher Malerin Emilie Stephan.

1904
Ein Besuch bei Hans Thoma läßt das Elternpaar überzeugen, dem Sohn ein Studium an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe zu erlauben. Gustav Wolf belegt dort das Fach Architektur - insgeheim erhält er bei Thoma Privatunterricht. Das früheste erhaltene Gemälde datiert in dieses Jahr.

1905
Die ersten Druckgraphikversuche entstehen. Seine Pastellzeichnungen und Gemälde, in denen er seiner individuellen Erlebniswelt Ausdruck verleiht, bezeichnet er als Fanatische Ideen und Wege zum Ideal.

1906
18.4.-Tod des Vaters.
Wolf bricht auf Anraten Hans Thomas das Studium an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule ab. Fortan unternimmt er Reisen nach Italien und Paris. In einer Ausstellung in einer Münchner Galerie kann er zum ersten Mal seine Werke der Öffentlichkeit vorstellen; er stößt auf heftige Ablehnung.

1908
Mit Confessio - Worte und Zeichen entsteht seine erste Druckgraphikfolge (1922 veröffentlicht ), deren Blätter mit eigenen Texten versehen sind. Mit seiner Teilnahme an einer Ausstellung im Pariser Salon Unioniste erzielt er seinen ersten Erfolg.

1909
Wolf entwirft Wand- und Deckengemälde für ein Privathaus des Berliner Architekten Bruno Möhrig (nicht mehr erhalten). Die Ausführung erfolgt erst 1914.

1910
Die Folge "Zehn Holzschnitte" entsteht.

1912
Wolf unternimmt Reisen nach Griechenland, Ägypten und Israel. Im gleichen Jahr veröffentlicht er Gedanken im Almanach des Karlsruher Verlages Quelle, wie auch seine Schrift "Aufzeichnungen".

1913
In fünf Lithographien illustriert Wolf die Genesis.

1914
Die Brüder Willy und Gustav Wolf melden sich freiwillig zur fliegenden Truppe, der XI. Compagnie des Reserve-Infanterieregiments; 20 1. Willy Wolf fällt dem Krieg zum Opfer; Gustav wird schwer verletzt in ein Reservelazarett nach Gelsenkirchen überführt.

1916
Wolf nimmt eine Tätigkeit als, Kunstlehrer in Schwerin auf.
Es entstehen die Druckgraphikfolgen" Meine glorreiche Kriegslaufbahn", "Helden und dergleichen" und die Lithographie "Gustav Wolf lebt noch", in denen er auf nahezu makabre Weise seine Kriegserlebnisse verarbeitet.

1918
Als Mitglied des Kunst- und Kulturrates lernt er Alfred Mombert kennen; beide verbindet fortan eine tiefe Freundschaft, die auf einer Wesensverwandtschaft beruht. Mit den " Blättern vom Lebendigen Sein" hebt die Reihe von Gemeinschaftswerken an.

1919
Mombert, Wolf und der Historiker Richard Benz gründen in Heidelberg die Gemeinschaft der Pforte.

1920 -1921
Gustav Wolf fertigt Entwürfe zu Kacheln und Wandtellern für die Badische Majolikamanufaktur an (nicht mehr erhalten). Darüberhinaus nimmt er eine Professur an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe an. Die von Wolf erwünschte gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Lehrendem und Lernenden findet ihren Höhepunkt in dem Zeichen-Büchlein. Bereits nach einem Jahr gibt er die "tote Tätigkeit" in der "lntrigantenanstalt" auf und verbringt die meiste Zeit in seinem Ferienhaus am Bodensee, wo er unter anderem die Neue Malergruppe am See mitbegründete.

1923
Wolf ist nicht nur mit eigenen Werken an der "Großen Kunstausstellung" in der Karlsruher Kunsthalle vertreten, sondern gestaltet auch die Wände und die Decke seines Ausstellungsraumes mit Malereien aus.

1924-1926
Die Erlebnisse seiner dreimonatigen Reise über Spanien nach Marokko veröffentlicht er 1925 in dem Buch "Die Reise nach Tetuan". Bis 1926 folgen Reisen nach Kairo, Norddeutschland und in die Niederlande. Seine Schrift "Zeugnis und Documenti Spiritus Humani- Creaturen", eine Folge grotesker Zeichnungen, werden veröffentlicht.

1927
Es entsteht die Holzschnittfolge Welt.

1928-1929
Wolf entwirft die Ausstattung des Stummfilmes Frau im Mond (Regie: Fritz Lang). Hieran schließt er eine Reise nach Südfrankreich. Das Hauptwerk dieses Jahres ist die Holzschnittfolge "Zehn Worte des Anfangs".

1930
Die Arbeit an "Dinge" - eine im Jahr 1926 begonnene Folge von 25 Holzschnitten -findet ihren Abschluß.

1932 -1933
Als Jude verfemt. Wolf kündigt seine Mitgliedschaft in Künstlervereinigungen, da er aufgrund der "allgemei nen Situation" für sie "nur eine Belastung" wäre.

1933-1934
Wolf verbringt die meiste Zeit bei Freunden am Lago Maggiore.

1935
In einer Einzelausstellung in dem " Museo di Roma " zeigt er Römische Ansichten.

1936-1937
Wolf unternimmt seine letzte große Reise, die ihn nun nach Griechenland führt.

1938
Am 10. Februar verläßt er mit der Einschiffung in Hamburg endgültig seine Heimat. Nach einem eineinhalbmonatigen Aufenthalt in Southampton und Halifax kommt er am 8. April in New York an. Eine Reise nach Cuba, bei deren Wiedereinreise in die USA er nun das endgültige Einwanderungsvisum erhält, wird notwendig.

1939
Die ehemalige Schülerin Leona Steiner trifft in New York ein; am 1. August heiratet Wolf die Ungarin.

1941-1942
Der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit in dem Babylon New York verleiht der Emigrant in den Visions of Manhattan, einer Folge von 12 Radierungen, Ausdruck. Mit der Einladung in das "Refugee Hostel", einer Einrichtung für emigrierte Künstler und intellektuelle in Cummington, Mass. entkommt das Ehepaar der ungeliebten Stadt.

1943 -1944
Wolf illustriert das Buch Hiob. Er nimmt eine Tätigkeit als Zeichenlehrer in der Northfield School of Girls an.

1946
Ein Angebot, nach Deutschland zurückzukehren, um erneut eine Professorenstelle an der Karlsruher Akademie anzutreten, lehnt Wolf ab. Trotz schwerer Krankheit gelingt es ihm,die Druckstöcke für die Folge "Psalmen" fertigzustellen.

1947
Im Januar können die Psalmen gedruckt werden. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Am 18. Dezember verstirbt Gustav Wolf; er wird auf dem Hebrew Congregation Cemetry in Greenfield begraben