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LUDWIG
VON
HOFMANN

(* 17. August 1861 in Darmstadt; † 23. August 1945 in Pillnitz bei Dresden)
war ein deutscher Maler, Grafiker und Gestalter. Seine in über 60 Jahren Schaffenszeit entstandenen Werke verbinden Elemente des Symbolismus mit dem Jugendstil, sind aber auch von anderen künstlerischen Bewegungen seiner Zeit vom Historismus bis zur Neuen Sachlichkeit beeinflusst.


Hofmann, Ludwig von

17.8.1861 Darmstadt-23.8.1945 Pillnitz, near Dresden, German painter, graphic artist, and applied arts designer After attending the academies in Dresden, Karlsruhe, and Munich (1883-89), Hofmann continued his training from 1889 to 1890 at the Academie Julian in Paris, where he became friends with Maurice Denis (1870-1943) and absorbed the influences of Pierre Cecile Puvis de Chavannes and Albert Besnard (1849-1934), whose wall paintings he copied. In 1890 he joined Die Elf, the group of artists formed at the instigation of Walter Leistikow, whose members also included Lovis Corinth (1858-1925), Max Klinger (1857-1920) and Max Liebermann (1847-1935). He painted and taught in Weimar from 1903 to 1908 and in Dresden from 1916 to 1918.
In his work, which also includes woodcuts for books and lithographs, Hofmann combines a traditional, academic style with Art Nouveau motifs. Using the stylistic means of contrast, he lends his pictures a coded meaning whose symbolism is nevertheless clearly recognizable.


 

Mehr über L.v.Hofmann

Ludwig von Hofmann
Bayreuth 1931: v.l.n.r.:Wilhelm Lampe, Hermann Bahr, Gerhart Hauptmann, Ludwig von Hofmann

Ludwig v. Hofmann mit Palette
Ludwig von Hofmann malt sein Selbstbildnis 1922

Eleonore v. Hofmann:"Im Kreis der Elite"
Erinnerungen an Ludwig von Hofmann

Kurzbiografie:

1883-1886 Studium bei seinem Oheim Heinrich Hofmann an der Dresdner Kunstakademie.
Anschließend in Karlsruhe Schüler F. Kellers.
Seit 1889 in Paris an der Academie Julian.Einwirkungen von Puy de Chavannes und A. Besnard
Seit 1890 in Berlin im Kreis von Corinth, Liebermann, Leistikow und Klinger.
1892 in München folgenreiche Begegnung mit dem Werk Hans von Marees.
1894-1900 Romaufenthalt.
1903 Lehrer an der Kunstschule in Weimar.
Seit 1916 Professor an der Dresdner Kunstakademie, wo er eine Malklasse leitete.


Um die Jahrhundertwende gehörte der 1861 in Darmstadt geborene und 1945 in Pillnitz bei Dresden verstorbene Maler und Graphiker Ludwig von Hofmann zu den bedeutendsten Akteuren des Kunstlebens und zur künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Nach Ausbildungsjahren an den Kunstakademien in Dresden und Karlsruhe sowie einem Studienaufenthalt in Paris lässt sich Ludwig von Hofmann 1890 in Berlin nieder. Hier leistet er durch seinen Einsatz für die secessionistischen Moderne als Mitglied der Vereinigung der XI und in der Berliner Secession im Protest gegen eine reaktionäre Kunstpolitik einen entscheidenden Beitrag zur Reformierung des Berliner Kunstlebens. Zwischen 1894 und 1901 hält sich Ludwig von Hofmann überwiegend in Italien auf, wo er sich in der Folge insbesondere mit der Kunst der Antike, der Renaissance sowie den Deutschrömern auseinandersetzt. 1903 nimmt Ludwig von Hofmann auf Initiative von Harry Graf Kessler eine Dozentenstelle an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar an. Im Umfeld , Harry Graf Kessler, Henry, van de Velde oder Elisabeth Förster-Nietzsche wird Ludwig von Hofmann wichtiges Mitglied im geistig-idelIen Reformprojekt Neues Weimar, in dem das Ziel verfolgt wurde. Kunst und Lebenspraxis in einen engeren Kontext zu stellen. In dieser Zeit entstellen auch Ludwig von Hofmanns bedeutenden monumentalen Wandbilder, deren Erfolg 1916 ausschlaggebend für seine Berufung all die Kunstakademie Dresden als Dozent für Monumentalmalerei ist.
(Kat. Ausst. Darmstadt 2005)
Die verheißene Schönheitswelt, die Marées nur von fern sah, wie Moses das gelobte Land, um die Klinger rang, wie Moses mit dem Engel, hat Ludwig von Hofmann mit leichtem Zauberstabe erschlossen. Der Künstler konnte freilich den Fortschritt des malerischen Fortschritts nutzen, ihm gehorchten Pinsel und Palette, Ölfarben und Pastellstifte ohne Widerstreben. So malte der denn mit leichter Hand die Natur in den trunkenen Farben, in denen sein Poetenauge sie durchschaut. Wälder, Täler und blühende Gefilde tauchen auf von üppiger, blendender Pracht. Zarte, schlanke Jünglings- und Mädchengestalten wandeln darin umher, baden und tanzen und trinken am Quell in paradiesischer Nacktheit, oder kleiden sich in bunte, flatternde Gewänder, die ein Strahl der Sonne vergoldet. Oder der Künstler zaubert einen Rausch von Farben und Arabesken auf die Leinwand, die sich seltsam verschlingen und lösen und aus deren phantastischem Gewirr ein Frauenkopf, ein schimmernder weißer Körper, eine Blume, ein Vogel mit märchenhaftem Gefieder auftaucht. Hofmanns Kunst ist im schönsten Sinne dekorativ, eine schmückende Malerei, die jeden Raum in einen Festsaal wandelt.

 

Eleonore von Hofmann, die Gattin des Künstlers, lesend (The artists wife,reading)

Die Tänzerin Ruth St. Denis, (The dancer Ruth St.Denis)

Die Tänzerin Ruth St. Denis, als Tempeltänzerin (The dancer Ruth St.Denis)

Sitzender Akt, (Nude, sitting)

Hofmann, Ludwig von
         (1861-1945),Asphodeloswiese  (Opfergang)- Kohle,Charcoal,ca.
         1897 - Asphodelos-meadow (self-sacrifice),, Best.Nr.
         010012
Hofmann, Ludwig von (1861-1945) - Asphodeloswiese (Opfergang)- veröffentlicht in PAN 1898/4 Seite 213 (Asphodelos-meadow (self-sacrifice))
Hofmann, Ludwig von
         (1861-1945),Frühling- Kohle,Charcoal,ca. 1897 - Spring,,
         Best.Nr. 010013
Hofmann, Ludwig von (1861-1945) - Frühling- aus Sammlung Cäsar Flaischlen (Spring)
Entwurf zum "Frühlingssturm", (Spring-Storm)

Halbakt sitzend, Paris (Girl, sitting)

Hippokrene, (Hippokrene)

Akt, zurückgelehnt, (Reclined nude)

Akt am Wasser, (Wading Nude)

Klage um Phaeton, Handdruck (moaning about Phaeton)

Zwei Frauen, (Two Women)
Hofmann, Ludwig von (1861-1945),Spiel,Lithografie,Lithograph,1910 -
Play,
Spiel, (Play)
Am Meer, (Rocky coast)

Heilige Nacht, (Holy Night)

Sonnige Tage, (Sunny Days)

Florenz, Schattige Straße (Florence)

Florenz, Kapuzinerkloster (Florence)

Florenz, Villen bei Fiesole (Florence)

Florenz, Kapuzinerkloster (Florence)

Florenz, Schattige Straße (Florence)

Satyrn und Mädchen, Probedruck zur Mappe "Eros" (Satyrs and Girls)

Zug der Frauen, Ausgestellt: Berliner secession Winterausstellung 1901/02 (dazu 3 Blätter) (procession of women)

Am Berliner Landwehrkanal, (Suicidal mother with child near a Berlin canal)

PRIENE, Landschaft mit Dromedaren, griechische Ausgrabungsstätte in Kleinasien (Priene, an archeological site in Asia Minor)

Verfolgung, (Chase)

PRIENE, Landschaft , Ausgrabungsstätte in Kleinasien (Priene, an archeological site in Asia Minor)

Bettlerin, Rom 1896 (Beggar)

Paar (zum Thema Romeo und Julia auf dem Lande v. Gottfr. Keller), verso Autograph von Will Rothenstein (Couple)

Marechiaro auf dem Posilipp, Gartenterrasse (Marechiaro )

Sitzendes Kind, verso Farblitho Paradies aus "PAN" 1895 (Child, sitting)

Mädchen in Blumenwiese, (Girl in a flowery meadow)

Frau, sich das Haar kämmend, (Entwurf für ein Glasmosaik), Ausgestellt: Hess. Landesmuseum Darmstadt 1976, Kat Nr. 25 (Two women, one combing her hair)

TAENZE, Mappe mit zwölf Lithografie und Geleit von Hugo von Hofmannsthal (TAENZE)

Die Tänzerin Ruth St. Denis, (The dancer Ruth St.Denis)

Die Tänzerin Ruth St. Denis, abgeb. in Redslob (Weimar 1918) Tafel 15 (The dancer Ruth St.Denis)

Zwei Frauen in felsiger Landschaft, abgeb. in Redslob (Weimar 1918) Tafel 76 (Two women in a rocky landscape)

Die Tänzerin Ruth St. Denis, vgl.: Hess. Landesmuseum Darmstadt 1976, Kat Nr. 8 (Girl wit a jug)

Die Säulen vom Parthenon in Athen, Griechenlandreise mit Gerhart Hauptmann (The columns of the Parthenon in Athens)

Mädchen mit Krug, abgeb. in Redslob (Weimar 1918) Tafel 15 (Girl with a jug)

Frauen in Uferklippen, (Women in sea-cliffs)

Hofmann, Ludwig von (1861-1945),Dämmerung.
(Nr.008087)Lithografie,Lithograph,1920 - Dusk,
Dämmerung. (Nr.008087) (Dusk)
Mädchen mit Esel (Agnetendorf 1912), Ausgestellt: Hess. Landesmuseum Darmstadt 1976, Kat Nr. 48 (Girl with a Donkey)
Felsenlandschaft, Ausgestellt: Hess. Landesmuseum Darmstadt 1976, Kat Nr. 56 (Rocky Landscape)

Bergstadt in Wolken, (Mountain-town in clouds)

Dämmerung, (Dawn)

Eros, (Eros)

Pferde im Hochgebirge, (Horses in High Mountains)

Felder bei Gehringswalde, (Fields in the Erzgebirge Mountains near Dresden)

Warmbad, (Warmbad in the Erzgebirge Mountains near Dresden)

Gehöft bei Gehringswalde, (Farm in the Erzgebirge Mountains near Dresden)

Hofmann, Ludwig von
         (1861-1945),Auferstehung- Lithografie,Lithograph,1920 -
         Resurrection,, Best.Nr. 009116
Hofmann, Ludwig von (1861-1945) - Auferstehung- (Resurrection)
Bäume im Sturm, Ausgestellt: Hess. Landesmuseum Darmstadt 1976, Kat Nr. 61 (Girl with a Donkey)

Getreideschober, (Haystack in the Erzgebirge Mountains near Dresden)



    Ludwig von Hofmann was born in Darmstadt 17.08.1861. Hofmann studied 1883 -1889 at the academies of Dresden and Karlsruhe His impressions at the Académie Julian in Paris from 1889 to 1890 left a lasting mark on his artistic development. Among other things he studied works by Puvis de Chavannes. 1892 Hofmann became a member of the "Künstlervereinigung der Elf", 1897 he joined the "Berlin Secession". In Berlin he became acquainted with Lovis Corinth and Edvard Munch, merely two examples for the numerous encounters with other artists. His frequent travels to Italy soon proved to be no less fruitful than his Berlin years. In retrospect Hofmann considered these travels as the most important inspiration for his own artistic development apart from the German painter Hans von Marées and his voyage to Greece together with the German writer Gerhart Hauptmann in 1907. In 1903 Hofmann's public appreciation was underlined by his appointment to a professorship at the Kunstschule in Weimar. Weimar then was a cultural center with its school of arts and crafts directed by Henry van de Velde and the museums under the responsibility of Harry Count Kessler. Kessler also introduced the French painter Maurice Denis to Hofmann. In 1916 Hofmann was appointed to the chair of monumental painting at the Dresden Academy of Arts. The First World War influenced Hofmann emotionally and artistically. He widened his artistic range with tragic motives such as Tantalus and Sisyphus, and with stylistic means of expression taken from Expressionism. Last but not least his landscapes occupied a central position in his late work.



Lebensdaten


1861:
Am 17. August in Darmstadt geboren als Sohn des preussischen Staatsbeamten Karl von Hofmann (1822-1910), einem späteren Mitarbeiter Bismarks.
1880-83:
Jurastudium in Bonn, wo sein Onkel Reinhard Kekulé Archäologie lehrt. 1883-86: Erste künstlerische Ausbildung an der Akademie in Dresden.
1886-88:
Meisterschüler Ferdinand Kellers in Karlsruhe.
1888-89:
H. unterhält ein Atelier in München. 1889: Besuch der Académie Julian in Paris. H. empfängt starke Impulse vom Schaffen Puvis de Chavannes', Albert Besnards und Maurice Denis'.
1890-1903:
H. lebt in Berlin, wo er Mitglied der Gruppe der "Elf" und später der Sezession ist. Seine Werke erregen u.a. wegen ihrer von Frankreich inspirierten Farbigkeit grosses Aufsehen. Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit Gerhart Hauptmann.
1892:
H. sieht in München erstmals Werke Hans von Marées'.
1894-1900:
Häufige Aufenthalte in Italien, insbesondere in Rom, wo H. über ein Atelier verfügt. Kontakte zu vielen Künstlern und Dichtern, etwa zu Arnold Böcklin, Max Klinger und Stefan George.
1895:
H. ist Gründungsmitglied der Kunstzeitschrift "Pan", für die er neben der Einbanddekoration mehr als sechzig Handzeichnungen und Originalgrafiken gestaltet. 1896:
Erster privater Auftrag für vier dekorative Sopraporten durch den Bankier Karl von der Heydt.
1898: Rainer Maria Rilke widmet H. "Spiel" und "Die Bilder entlang".
1899:
Heirat mit seiner Cousine Eleonore Kekulé von Stradonitz (1878-1968).
Plakat für die erste Ausstellung der Berliner Sezession.
1903:
H. wird Lehrer an der Grossherzoglichen Kunstschule in Weimar. Zusammenarbeit mit Harry Graf Kessler und Henry van de Velde. Gründungsmitglied des "Deutschen Künstlerbundes". Oskar Fischel verfasst die erste ausführliche Monographie über den Künstler.
1905:
Ernennung zum Professor. Im Insel-Verlag erscheint unter dem Titel "Tänze" eine Mappe mit 12 Lithographien und einem Vorwort Hugo von Hofmannsthals.
1906:
H. gestaltet sechs Wandbilder für eine von Henry van de Velde entworfene Museumshalle auf der Dresdner Kunstgewerbeausstellung. Begegnung mit der Tänzerin Ruth St. Denis, die H. in Weimar Modell steht.
1907:
Reise mit Gerhart Hauptmann nach Griechenland. H. schafft Wandgemälde für das Weimarer Hoftheater (heute: Deutsches Nationaltheater).
1909:
Ausstattung des Senatssitzungssaals der Universität Jena mit einem dreiteiligen Wandgemälde "Die Musen".
1914:
H. führt Wandbilder für van de Veldes Werkbundtheater in Köln aus. Thomas Mann erwirbt das in München ausgestellte Gemälde "Die Quelle".
1916:
Berufung H.'s an die Dresdner Kunstakademie als Nachfolger Hermann Prells für das Fach Monumentalmalerei.
1917:
Erste Retrospektive in der Dresdner Galerie Arnold. 1918:
Edwin Redslobs Buch "Ludwig von Hofmann - Handzeichnungen" erscheint im Verlag Gustav Kiepenheuer.
1919-27:
H. fertigt Illustrationen für acht Bücher, darunter "Odyssee" und "Ilias" (mit der Schrift Marcus Behmers), sowie drei weitere Mappenwerke.
1920:
Gestaltung zweier Wandbilder für den Lesesaal der Deutschen Bücherei in Leipzig.
1926:
Verleihung der Ehrendoktorwürde.
1927:
Reise nach Norwegen, Begegnung mit Edvard Munch, einem Bekannten aus Berliner Tagen.
1931:
Reise nach Spanien, Jubiläumsausstellung in Dresden. Ausscheiden aus der Akademie.
1932:
H. lässt sich im Wasserpalais in Pillnitz bei Dresden nieder.
1935:
Adoption der Blandine von Wenden, die bereits 1943 verstirbt.
1945:
Am 23. August in Pillnitz gestorben.

Ludwig von Hofmann Ludwig von Hofmann's work of art, which extends over a period of about sixty years, shows elements of various schools of art from Historism to New Functionalism. His work combines the tradition of the German idealistic painting with ideas of the French art, which was considered as outrageous at that time. The leitmotif of his works is the arcadian landscape showing man and nature in perfect harmony and mythical unity. The visionary trait of Hofmann's works proves that the artist was a comrade-in-arms of a European movement of new departures; a movement searching for a message and the truth in different ways beyond the mere reproduction of the object.

Biography

1861: Born on August 17th. Son of the Prussian public servant Karl von Hofmann (1822-1910), a later assistant of Bismarck.

1880-83: Study of law at Bonn, where his uncle Reinhard Kekulé teaches archaeology.

1883-86: First artistic training at the Dresden Academy of Art. 1886-88: Student in the master class of Ferdinand Keller.

1888-89: H. maintains a studio at Munich.

1889: Attends the Acadèmie Julian at Paris. H. is stimulated strongly by the creations of Puvis de Chavannes, Albert Besnard and Maurice Denis.

1890-1903: H. lives at Berlin, where he is a member of the "Eleven" and later of the Secession. His works cause a great sensation because of their color, which has been inspired by France. Begin of the lifelong friendship with Gerhart Hauptmann.

1892: H. sees works by Hans von Marées at Munich for the first time.

1894-1900: Frequent stays in Italy, especially at Rome, where H. has a studio at his disposal. Contact with many artists and poets, for example Arnold Böcklin, Max Klinger and Stefan George.

1895: H. is a founding member of the art journal "Pan", for which he creates more than 60 drawings and prints apart from the cover decoration.

1896: First private commission for four decorative panels from the banker Karl von der Heydt.

1898: Rainer Maria Rilke dedicates his poems "Spiel" and "Die Bilder entlang" to H.

1899: H. marries his cousin Eleonore Kekulé von Stradonitz (1887-1968). Poster for the first exhibition of the Berlin Secession.

1903: H. teaches at the Archducal School of Art at Weimar. Cooperation with Harry Graf Kessler and Henry van de Velde. Founding member of the "Deutsche Künstlerbund". Oskar Fischel writes the first extensive monograph about the artist

1905: Appointment as professor. The Insel publishes the "Dances", a series of 12 lithographs with a prologue by Hugo von Hofmannsthal.

1906: H. creates six murals for the Museumshalle designed by Henry van de Velde, which was shown at the Exhibition of Arts and Crafts at Dresden. Meets the American dancer Ruth St. Denis, who sits for him at Weimar.

1907: Voyage to Greece with Gerhart Hauptmann. H. creates the wall-painting for the Court Theater at Weimar (today: German National Theater).

1909: Three-piece wall-painting "The Muses" for the senate's conference hall at the University of Jena.

1914: H. designs murals for van de Velde's Werkbundtheater at Cologne. Thomas Mann purchases the painting "The Source", which has been exhibited at Munich.

1916: H. is appointed to the Academy of Arts at Dresden, where he succeeds Hermann Prell, the former teacher for monumental painting.

1917: First retrospective exhibition at the Arnold Gallery at Dresden.

1918: Edwin Redlob's book "Ludwig von Hofmann Handzeichnungen" (drawings) is published by Gustav Kiepenheuer.

1919-27: H. designs illustrations for eight books, among them the "Odyssey" and the "Iliad" (type by Marcus Behmer), as well as three further series.

1920: Creates two murals for the reading-room of the Deutsche Bücherei at Leipzig.

1926: H. is given an honorary doctorate by the University of Essen.

1927: Voyage to Norway. Meeting with Edvard Munch, an acquaintance from his days at Berlin.

1931: Voyage to Spain, jubilee exhibition at Dresden. Retirement from the Dresden Academy.

1932: H. settles down at the castle of Pillnitz near Dresden.

1935: Adoption of Blandine von Wenden, who dies in 1943.

1945: H. dies at Pillnitz on August 23rd.

Museums and public collections, which own works by Ludwig-von-Hofmann (January 2004)

(W) = Wall-paintings.

Albstadt Städtische Galerie

Altenburg Staatliches Lindenau-Museum

Amsterdam Rijksprentenkabinet

Augsburg Staatsgalerie

Bautzen Stadtmuseum

Bayreuth Richard-Wagner-Museum

Berlin Berlinische Galerie

Berlin Deutsches Historisches Museum

Berlin Kunstamt Tempelhof-Schöneberg

Berlin Kunstbibliothek

Berlin Kunstgewerbemuseum

Berlin Kupferstichkabinett

Berlin Nationalgalerie

Berlin Stadtmuseum

Berlin Standesamt Pankow (W)

Bernried Buchheim-Museum

Bielefeld Kunsthalle

Bingen Stefan George-Museum

Bremen Kunsthalle

Burgk Museum Schloss Burgk

Chemnitz Städtische Kunstsammlungen

Darmstadt Hessisches Landesmuseum

Darmstadt Institut Mathildenhöhe

Den Haag Gemeentemuseum

Dessau Anhaltische Gemäldegalerie

Dresden Gemäldegalerie Neue Meister

Dresden Kupferstich-Kabinett

Dresden Museum für Geschichte der Stadt Dresden

Düsseldorf Kunstmuseum

Erfurt Anger-Museum

Erkner Gerhart-Hauptmann-Museum

Florenz Uffizien

Frankfurt Freies Deutsches Hochstift

Frankfurt Graphische Sammlung der Städtischen Galerie

Freital Städtische Sammlungen

Gera Kunstsammlung

Gingins Fondation Neumann

Görlitz Städtische Kunstsammlungen

Göttingen Kunstsammlung der Universität Göttingen

Hagen Haus »Hohenhof«

Hagen Karl Ernst Osthaus-Museum

Halle a.d. Saale Staatliche Galerie Moritzburg

Hamburg Kunsthalle

Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe

Hannover Niedersächsisches Landesmuseum

Husum Nissen-Haus [Nordfriesisches Museum]

Jena Senatssitzungssaal der Universität (W)

Jena Städtische Museen

Kaiserslautern Pfalzgalerie

Karlsruhe Badisches Landesmuseum

Karlsruhe Staatliche Kunsthalle

Kassel Graphische Sammlung der Staatlichen Museen

Kiel Kunsthalle

Kloster/Hiddensee Gerhart Hauptmann-Haus

Köln Letter-Stiftung

Köln Theaterwiss. Sammlung der Universität

Köln Wallraf-Richartz-Museum

Konstanz Wessenberg-Galerie

Leicester Leicestershire Museums

Leipzig Auerbachs Keller (W)

Leipzig Deutsche Bücherei (W)

Leipzig Museum der bildenden Künste

London Institute of Germanistic Studies

Los Angeles Los Angeles County Museum of Art

Magdeburg Kulturhistorisches Museum

Mainz Landesmuseum

Mannheim Kunsthalle

Marbach Deutsches Literaturarchiv

Moskau Puschkin-Museum

München Neue Pinakothek

Neuss Clemens-Sels-Museum

Nürnberg Germanisches Nationalmuseum

Nürnberg Museen der Stadt

Offenbach Klingspor-Museum

Oslo Nasjonalgalleriet

Poznan Muzeum Narodowe

Riga Museum der Ausländischen Kunst

Sankt Petersburg Eremitage

Schweinfurt Museum Georg Schäfer

Schwerin Staatliches Museum/Kunstsammlungen

Sindelfingen Galerie Stadt Sindelfingen (Lütze-Museum)

Stuttgart Staatsgalerie

Weimar Deutsches Nationaltheater (W)

Weimar Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen

Wertheim Grafschaftsmuseum

Wien Graphische Sammlung Albertina

Wien Österreichische Galerie im Belvedere

Wiesbaden Museum Wiesbaden

Wroclaw Muzeum Narodowe

Wuppertal Von der Heydt-Museum

Zürich Coninx Museum

Zürich Graphische Sammlung der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH)

Zürich Kunsthaus

Zürich Thomas-Mann-Archiv


Im Kreis der Elite

von Eleonore von Hofmann

Persönliche Erinnerungen an Ludwig von Hofmann

Unsere Beziehungen reichen bis in die frühe Jugendzeit zurück, d. h. bis in meine sehr frühe Jugend. Ich war etwa fünf Jahre alt, da sprach der siebzehn Jahre ältere Ludwig schon davon, ich solle einmal seine Frau werden; und anderthalb Jahrzehnte später hat er dann diesen Entschluss verwirklicht. Wir waren Geschwisterkinder. Mein Vater, Reinhard Kekule von Stradonitz, war Professor der Archäologie in Bonn; seine Schwester war mit dem Juristen Karl von Hofmann verheiratet. Ludwig von Hofmann (geb. 17. August 1861 in Darmstadt) musste auf Wunsch des Vaters zunächst ebenfalls Jura in Bonn studieren, wo er im Haus meiner Eltern entscheidende Anregungen in künstlerischer Beziehung fand. Nach einigen Semestern bekam er dann die väterliche Erlaubnis, das Brotstudium aufzugeben und sich der Ausbildung seiner künstlerischen Begabung zu widmen, die sich bereits in der Lieblingsbeschäftigung des Knaben, dem Zeichnen,offenbart hatte. Das Studium an der Dresdner Akademie (seit 1883) machte Ludwig vor allem mit der klassischen Komposition, bekannt. Später war er Meisterschüler bei Ferdinand Keller in Karlsruhe. Entscheidend für seine weitere Entwicklung wurde ein längerer Aufenthalt in Paris. Er besuchte die private Academie Julian, an der namhafte Kräfte unterrichteten und junge Talente aus aller Herren Länder sich zusammenfanden (einige Zeit vor ihm war Lovis Corinth als Lernender hier gewesen). Die menschlich wertvollste Begegnung wurde damals für ihn die mit dem etwas jüngeren William Rothenstein, aus der eine lebenslängliche Freundschaft erwuchs. Rothenstein — seine Porträtlithographien sind bei Sammlern geschätzt: seine Lebenserinnerungen erschienen unter dem Titel «Men and Memory. — hat uns mit Frau und Söhnchen später wiederholt in Berlin besucht. und wir weilten auch gemeinsam in Agnetendorf bei Gerhart Hauptmann. Von den künstlerischen Eindrücken, die Hofmann in Paris sammelte, wirkte am nachhaltigsten auf ihn die stille Grösse der Wandmalerei von Puvis de Chavannes. Die Wandbilder, die der gefeierte Albert Besnard in der Ecole de Pharmacie geschaffen hatte, kopierte er und fand damit selbst den Uebergang zur modernen Hellmalerei. Im Jahre 1890 siedelte Ludwig von Hofmann nach Berlin über. Ein befreundeter Architekt, Reimarus, überliess ihm in seinem neugebauten Miethaus in der Hardenbergstrasse ein Atelier. Das erste Möbel, das in seinem Arbeitsraum aufgestellt wurde, war immer ein Flügel oder wenigstens ein Klavier. Denn er war sehr musikalisch, und sein Klavierlehrer hätte ihn am liebsten zum Pianisten ausgebildet; abends pflegte er zu spielen und zu phantasieren, nicht ahnend, dass die Hausbewohner ihm im Treppenhaus zuhörten. Damals schlossen sich in Berlin die besten jungen Kräfte zu der Vereinigung «Die Elf" zusammen. Hofmann gehörte ihr an, zusammen mit Max Liebermann, Leistikow, Hans Herrmann, Klinger, Corinth, Baluschek u. a. Ihre Ausstellungen, die bei Schulte, Unter den Linden, stattfanden, erregten ungeheures Aufsehen, besonders auch die Hofmannschen Bilder mit ihrer leuchtenden Farbigkeit. Ich ging sonntags heimlich hin, sie mir anzusehen. statt, wie ich sollte, in den Dom. Die interessanteste Erscheinung im damaligen Berliner Kunstleben war der Norweger Edvard Munch, dessen Ausstellung 1892 einen Skandal hervorrief und geschlossen werden musste. Das erotische Element, das die Kunst des jungen Munch erfüllt, war etwas absolut Neues, Aufwühlendes. Hofmann bewunderte ihre Ausdruckskraft, sie wirkte aber nicht in seine eigene Welt hinüber, in der das Zarte, Idyllische, Beglückende in Natur und Menschenleben. Jugend und Frühling sich widerspiegeln. Als 1895 die Zeitschrift "'Pan" zu erscheinen begann, wurde Hofmann nicht nur ihr ständiger Mitarbeiter. sondern auch Vorstandsmitglied und kam so in enge Verbindung mit Schriftstellern wie Hartleben und Flaischlen und mit hervorragenden Kunstgelehrten und Museumsleitern wie Wilhelm Bode, Lichtwark, von Seidlitz u. a. Der "Pan", stellte nach fünf Jahren sein Erscheinen ein, da er seine Absicht, die neue Auffassung von Kunst und geistigem Schaffen zu manifestieren, als erfüllt ansah. Von den über sechzig Beiträgen, die Hofmann ihm gegeben hatte, erschien eine Auswahl in einer kleinen Sonderpublikation; dazu schrieb der junge Rilke in seinem Exemplar eine Reihe kurzer Gedichte "Die Bilder entlang". Ohne die Bilder wurden diese Verse als Jahresgabe 1928 für die Gesellschaft der Freunde der Deutschen Bücherei gedruckt. Uebrigens hat Rilke meinem Manne handschriftlich ein anmutiges "Spiel" gewidmet, das sieben Mädchen und einen Jüngling auftreten lässt und das an ein Hofmannsches Pastell erinnert. Dieses kleine Werk befindet sich jetzt in der Handschriftensammlung der Harvard-Universität. Im Jahre 1898 heirateten wir. Beim Festmahl hielt Adolf von Harnack, der berühmte Theologe der Berliner Universität (er war mit den Hofmanns verwandt), einen Toast auf mich, dessen Auffassung aber durchaus nicht nach meinem Geschmack war: er sagte nämlich in Anlehnung an einen Ausspruch von Julius Cäsar, dass ich diesen meinen Mann mit seinem Glücke nun in meinem Kahn trage und gut steuern müsse, während ich im Gegenteil in seinem Kahn fahren und von ihm gesteuert werden wollte. So wurde es auch, aber ich habe treu mitgerudert. Auf der Hochzeitsreise durch die Schweiz kamen wir auch nach Maloja und besuchten Segantini; er arbeitete im Freien vor eingebauten Staffeleien und porträtierte die grandiose Gebirgslandschaft in monumentalem Format. Die folgenden Jahre verlebten wir bald in Berlin, bald in Rom. wo Hofmann schon seit 1894 festen Fuss gefasst und sich ein Atelier eingerichtet hatte. In Berlin entstanden die meisten dekorativen Werke und Bilder nach Aufträgen. im Süden die freierfundenen; die Modelle waren in beiden Städten schön, und wenn später einmal kein passendes zu haben war, so übernahm ich die Rolle. In Rom wohnten wir zwar ziemlich primitiv, aber das Leben war sorglos und abwechslungsreich; zumal häufig Maler, Dichter, Musiker, Archäologen aus Deutschland zu Besuch kamen. Oft fuhren wir dann alle zusammen abends in die Campagna zum Wein und tanzten zu dem Georgel eines Drehklaviers. Von den Künstlern. die damals dauernd in Rom weilten, sind mir die Bildhauer Arthur Volkmann und Louis Tuaillon, beide der Marees-Tradition ergeben, und der Graphiker und Maler Otto Greiner im Gedächtnis geblieben; dieser führte uns gern ins Kino, nicht ohne darauf vorzubereiten, dass er bei den sentimentalen Stellen anfangen würde zu heulen — was auch wirklich nicht ausblieb. Für Max Klinger sammelte mein Mann farbige antike Glasscherben, die als Schmuck am Thronsessel des "Beethoven" Verwendung gefunden haben. Unsere Neapeler Freunde, die Gräsers — er, ein gebürtiger Schweizer, leitete das deutsche Hospital —, wussten in der Umgebung. auf Capri und Ischia, die hübschesten Quartiere: mehrmals bewohnten wir in Marechiaro auf dem Posilipp eine alte Sarazenenburg, zu der eine Riesenterrasse und ein wunderbarer Garten gehörten und wo Ludwig manches schöne Motiv für seine Gemälde und Pastelle gefunden hat. Natürlich besuchten wir auch gern das berühmte "Aquarium", um eingehend die Fresken von Hans von Marees zu betrachten, für dessen Kunst Hofmann sich schon 1892 in München lebhaft interessiert hatte. als sie, abgesehen von dem Fiedler- und Hildebrand-Kreis. noch kaum beachtet wurde. Ausser dem Begründer und Leiter der Zoologischen Station, Professor Anton Dohrn, lernten wir hier auch den Biologen Jacob von Uexküll kennen. einen feingebildeten baltischen Gelehrten, der gerade ,,Umwelt.-Studien an seinem Seeigel "Ferdinand" machte. Als uns der doppelte Haushalt diesseits und jenseits der Alpen zu kostspielig wurde, konzentrierten wir uns, namentlich in der kälteren Jahreszeit, mehr auf Berlin, ohne jedoch die Beziehungen zu Italien abzubrechen. Wir fanden eine besonders schöne, grosse Wohnung in der Landgrafenstrasse. Im Hof hatte der Bildhauer Gustav Eberlein, dessen Spezialität Kaiser-Wilhelm-Denkmäler waren, seine Werkstatt; so dass komischerweise, die von Wilhelm II. protegierte Hofkunst und die von ihm verabscheute "Moderne"" nahe beieinander hausten. Das geistige Leben im Berlin der Jahrhundertwende war ungemein rege, vielseitig und mit Spannungen geladen. Ausser der Berliner "Sezession", die die Vereinigung der "Elf" abgelöst hatte und einen bedeutend erweiterten Kreis junger Kräfte umfasste, florierten Literatur und Theaterkunst. Unsere ständige Teilnahme an allem, was hier geschah, wurde uns schon durch die Beziehungen zu Gerhart Hauptmann nahegelegt, um dessen dramatische Kunst bei den Premieren im Deutschen Theater leidenschaftlich gekämpft wurde. Die Freundschaft zwischen Hofmann und dem um ein Jahr jüngeren Hauptmann war wie eine Art Blutsbrüderschaft, wenn auch auf symbolische Bräuche verzichtet wurde; Frau Margarete und ich standen uns nahe wie Schwestern. Aber es gab auch vieles im gesellschaftlichen Leben, was uns nicht gefiel. Die Kaiserstadt Berlin, schnell reich geworden, geriet in ein Protzentum hinein, in das auch die Kunst miteinbezogen wurde. Wir überlegten uns schon, ob wir nach Frankreich oder nach Italien übersiedeln sollten, da kam, im richtigen Moment für Ludwig, eine Berufung nach Weimar an die Kunsthochschule. Ihr Direktor war der Maler Hans Olde, während der Belgier Henry van de Velde, den wir als einen Führer der modernen Kunstbewegung schon von Berlin her kannten, die Kunstgewerbeschule leitete. An die Spitze der Museen hatte der junge Grossherzog Wilhelm Ernst den Grafen Kessler gestellt. So wurde von mehreren Seiten her dem Ziele zugestrebt, dass in Neu-Weimar eine neue Kunst erblühe; Kessler vor allem durfte wohl als die treibende Kraft gelten. Die Weimarer Jahre waren in jeder Beziehung, und nicht nur für uns, ein Höhepunkt. Hofmann erhielt grosse dekorative Aufträge: so im Foyer des Theaters, ferner in der von van de Velde architektonisch gestalteten Museumshalle und im Senatssitzungssaal der Universität Jena. Weitere öffentliche und private Aufträge (für Köln, für den Lesesaal der Deutschen Bibliothek in Leipzig, Hamburg, Dresden u. a.) folgten. Vieles ist durch den Krieg zerstört worden; aber im Nachlass haben sich Gesamtentwürfe und zahlreiche Einzelskizzen erhalten. Die Lehrtätigkeit machte meinem Manne grosse Freude. Die sog. Meisterschüler betrachtete er als junge Kollegen, sie verkehrten in unserem Haus, und mit einigen blieb er lebenslänglich befreundet. Der treueste unter ihnen war der Landschafter Otto Illies, mit dem er bis zuletzt in Briefwechsel gestanden hat. Der ausgefallenste: Hans Arp, dessen Dada-Poesie Ludwig amüsant persiflierte. Uebrigens machte er selbst gute Verse, sowohl ernste als auch ganz skurrile, die Hauptmanns Freund Pinkus gern veröffentlicht hätte, was er aber nicht zuliess. Auch Ivo Hauptmann (Sohn aus der ersten Ehe) zählte zu seinen Schülern; dagegen nicht Otto Mueller, wie zuweilen behauptet wird - wir haben ihn als ganz jungen Menschen, dessen elegant-biegsame Erscheinung das Zigeunerblut nicht verleugnete, nur einmal bei Hauptmanns in Agnetendorf getroffen. Kessler veranstaltete in dem Museum am Karlsplatz grossartige internationale Ausstellungen, zu denen Künstler nicht selten selbst erschienen; so lernten wir von den Franzosen Maurice Denis und Bonnard kennen, von den Engländern Gordon Craig, der, ein Sohn der grossen Schauspielerin Ellen Terry, zu den einflussreichsten modernen Bühnenbildnern zählte. Bei den reizenden kleinen Frühstücken, die Harry Kessler in seinem von van de Velde eingerichteten Hause gab, sass man beisammen, um sich später in Florenz, Paris, London oder sonstwo wieder zu treffen. Ein anderer geistiger Mittelpunkt von internationalem Ruf war das Nietzsche-Archiv, hoch gelegen auf dem sog. Silberblick; van de Velde hatte an das alte Wohnhaus das eigentliche Archiv angebaut, wo Frau Elisabeth Förster-Nietzsche, auf einem Sofa thronend, die Honneurs machte (die Zeiten, da sie sich für Mussolini und Hitler begeisterte, waren noch fern). Im Jahre 1905 erschien im Insel-Verlag, dessen Leitung Anton Kippenberg vor kurzem übernommen hatte, die Folge von zwölf Lithographien "Tänze'. Im Vorwort sagte Hugo von Hofmannsthal: "Diese Blätter sind lieblich zusammen wie ein Heft Mozartscher Sonaten. Ihre Einheit liegt in dem rhythmischen Glück, das sie hergeben und das die Seele so willig ist, durchs Auge wie durchs Ohr in sich zu saugen. Diese Gestalten erzählen nichts als ihre Nacktheit: sie erfüllen rhythmisch den Raum; und die Einbildungskraft kann sie durchspielen, Blatt für Blatt, und wiegt sich auf ihnen, wie dort auf jenen Folgen beseligter Töne ... Auch hier ringt eine Seele um ihre Welt. Es ist eine griechische Seele, die in sich das Glück dieser Rhythmen gefunden hat, eine vereinzelte griechische Seele unter uns, den Griechen so nah als sonst nur die einzigen, die in Wahrheit ihnen nahe sind: die Franzosen." Kessler hatte meinen Mann zu der Mappe angeregt; aber Hofmann hatte von früh auf und sein ganzes Leben hindurch eine besondere Vorliebe für Motive, die die rhythmische Bewegung von Körper und Gliedmassen dem Künstler bietet; konnte er doch in ihrer Darstellung die eigene musikalische Natur zum Ausdruck bringen. So verfolgte er schon in der Berliner Zeit mit lebhaftem Interesse die Revolution, die sich um die Jahrhundertwende in der Tanzkunst vollzog. Natürlich wurden wir auch mit Isidora Duncan bekannt, die damals in allen europäischen Kunststädten gefeiert wurde. Faszinierender noch wirkte die von indischen Tempeltänzen inspirierte Kunst der Ruth Saint-Denis. Sie trat, einer Einladung Kesslers folgend, auch in Weimar auf und hatte die Freundlichkeit, meinem Mann im Atelier Modell zu stehen; da kamen alle Schüler, Männlein und Weiblein, mit ihren Zeichenblocks herauf, um mitzuzeichnen. Die Semesterferien und Sonderurlaube verbrachten wir regelmässig in Italien; aber nicht wie früher in Rom, sondern in der Nähe von Florenz. Wir besassen eine reizende kleine Villa in San Domenico, die Ludwig dank einer Erbschaft erworben hatte und die uns dann im Kriege genommen wurde. 1903 war in Weimar der Deutsche Künstlerbund gegründet worden, in dessen Vorstand Hofmann gewählt wurde; der Villa-Romana-Preis, den der Künstlerbund verlieh, ermöglichte den Preisträgern ein Jahr Aufenthalt in Florenz. Es würde zu weit führen, wenn ich alle die Künstler, Schriftsteller und Gelehrten aufzählte, mit denen wir Beziehungen anknüpften oder die uns auf ihrer Italienfahrt besuchten. Frau Bonus, die Freundin von Käthe Kollwitz, gehörte dazu und die Schriftstellerin Lilli Braun, die uns ihren talent-ollen Sohn Otto in Obhut gab, als sie zu ihrem geschiedenen Mann. dem Sozialisten Heinrich Braun, nach Venedig reiste. Bei einer Wagenfahrt mit Hauptmanns nach Assisi trafen wir mit Paul Klee zusammen, für dessen Bilder Ludwig eine grosse Vorliebe hatte. Im Sommer 1914 fand in München im Kunstsalon Caspari, Briennerstrasse, eine Hofmann-Ausstellung statt. Unter ihrem Eindruck schrieb Thomas Mann am 27. 6. 1914 an Hofmann: "Ich liebe die hohe, neue, festliche Menschlichkeit Ihrer Kunst von Jugend auf, ich fand und liebte sie in jeder Leinwand, jedem Blatt und Blättchen, das mir von Ihnen zu Gesichte kam; aber eine so grosse Zahl Ihrer Werke vereinigt zu sehen, wie jetzt in dem Salon an der Briennerstrasse, war mir noch nie vergönnt gewesen. Ich bin zur "Welle", zu den "Klagenden Frauen" mehr als einmal zurückgekehrt. Der Zufall wollte es, dass ich inmitten Ihrer Träume und Gestalten eine Vorlesung aus meinen Arbeiten zu halten hatte, — und ich glaube, ich habe meine Sache damals besser gemacht als gewöhnlich." Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der uns in einem Seebad an der Adria überraschte, zerstreute sich der Weimarer Kreis. Schon Mitte Juli 1914 hatte van de Velde sein Entlassungsgesuch eingereicht, wenn es auch noch länger als zwei Jahre dauern sollte, bis er Dee'schland mit der Schweiz vertauschte. 1916 erhielt Hofmann einen Ruf als Nachfolger Hermann Prells an die Dresdner Akademie, zu deren Ehrenmitglied er bereits 1915 ernannt worden war. Zwar bekam Ludwig ein herrliches Atelier zugewiesen, und wir fanden eine schöngelegene Wohnung nahe der Elbe. aber der Unterschied zwischen Weimar und Dresden war für uns doch recht fühlbar, namentlich in den letzten Kriegs- und den darauf folgenden Jahren. Fast die gesamte studierende Künstlerjugend war im Felde und dann nach der Rückkehr von revolutionären Ideen — gesellschafts- und kunstrevolutionären — in Anspruch genommen. Es war, um nur zwei Beispiele zu nennen, die Zeit, da der junge Dix seine Schützengrabenbilder und seine schonungslos realistischen Bildnisse schuf und Kokoschka von Dresden aus seine expressive Malkunst in die Welt schickte. Da bei den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen an dekorative und monumentale Aufträge nicht zu denken war, wendete sich Hofmann jetzt vor allem graphischen Arbeiten zu. Selbst tief erschüttert von den Kriegsereignissen, nicht ohne mitfühlendes Verständnis für den inneren Zusammenbruch, das Aufbegehren, das friedlose Suchen der jüngeren Generation, verrät er jetzt sowohl in der Stoffwahl wie in der Gestaltung, dass auch er von der leidenschaftlichen Erregtheit der Epoche ergriffen ist. Neue Themata — Tantalus. Sysiphus, Phaeton. Zusammenbruch — treten auf; altvertraute wie Tanz und Eros. selbst die Motive von Reitern und Badenden und sogar die Landschaften erhalten eine ganz anders geartete Prägung. Der Holzschnitt, der eine scharfe, zackige Linienführung und starke Kontraste von Hell und Dunkel nahelegt, wird eine Zeitlang bevorzugt; aber auch die lithographischen Folgen "Rhythmen I und II" und "Eros" zählen zu den Hauptwerken seiner expressionistischen Schwarzweisskunst. Dann beruhigt sich der Aufruhr wieder, und was nun entsteht, reif und abgeklärt, reduziert im Format. aber reich an innerem Leben, sind Holzschnitt-Illustrationen. Zu "Hirtenlied" und "Blaue Blume" von Hauptmann. zu Goethes "Pandora", zum "Hohen Lied" Salomos. zur "Ilias" und "Odyssee" und zu zwei antiken Tragödien. Die Hauptarbeit war die am Homer. Die meisten Holzschnitte machte er in Bergen bei Traunstein auf dem Balkon eines alten Bauernhauses, das wir für Freunde, die nach Amerika gingen, zu hüten hatten. Und hier muss nun der Zusammenarbeit mit Marcus Behmer, dem Schriftkünstler, gedacht werden. Für beide war die lange Arbeit eine schwierige Geduldsprobe. die die alte Freundschaft aber nur verstärkte. Marcus. der Schriftgestalter, und Ludwig, der Zeichner, behandelten das Problem der Buchillustration in kongenialer Weise: als Verschmelzung zweier Künste, die fliessende Dichtkunst bereichernd durch Blickpunkte innerhalb des Textes. Mit der Schrift Marcus Behmers zusammen entstand die buchtechnisch-bibliophile Einheit, bei der jede Zeile berechnet wurde, dazu Kopfstück, Hauptbild und Schlusstück eines jeden Gesanges in der erwünschten Tonart und Proportion. Da musste jede Geste sehr lebendig. natürlich und genau überlegt sein. Die vielen Bewegungsstudien, besonders die Notizen in den Skizzenbüchern von den Spaziergängen her, kamen meinem Mann zustatten. Gerhart Hauptmann begrüsste die "Odyssee" in einem Brief aus Rapallo vom 27. März 1925: "Da liegt nun wieder solch ein herrlicher Band vor mir, der eine Erneuerung des Grössten durch Deine Künstlerhand bringt .. . Zwar habe ich Deine Ilias nicht hier, aber es kommt mir wahrhaftig vor, als wäre Deine Hand noch unabhängiger, freier, meisterlicher geworden. Der neue Holzschnitt riecht förmlich nach harzigem Holz. Ich schmecke gleichsam den Wald und gesunde Waldluft dahinter. Ich kenne nichts Gleichwertiges heut', was diese besondere Wirkung anbetrifft. . . . Wieder ist eine Reihe Deiner Kunstwerke mir jungbrunnenhaft-beglückender Besitz. Ich will noch die Reisen erwähnen.Die einzige aussereuropäische Reise machte mein Mann vor unserer Verheiratung, als er meinen Vater, der in Kleinasien die Ausgrabung von Priene leitete, dorthin begleitete. Damals entstanden viele sehr farbige Oelskizzen, noch keine Pastelle. Elf europäische Länder haben wir gemeinsam kennengelernt. Italien war uns wie eine zweite Heimat. Unsere schönste Reise war die griechische (1907), die wir gemeinsam mit Gerhart und Margarete Hauptmann machten (Gerhart Hauptmann "Griechischer Frühlinge). Dank einem italienischen "Kuriere, der schon mit meinem Vater gereist, also nicht auf die üblichen Touristen eingestellt war, lernten wir ein sehr intimes, ganz klassisch gebliebenes Land kennen. — In Norwegen feierten wir ein Wiedersehen mit dem nun auch alt gewordenen Munch; er und Ludwig verweilten stundenlang in seinem Atelier. — Zu seinem siebzigsten Geburtstag erhielt mein Mann, zusammen mit einer von zahlreichen Freunden unterschriebenen Huldigungsadresse, eine splendide Ehrengabe für eine spanische Reise. Nie reiste er ohne seinen grossen Pastellkasten. der regelmässig alle Zollbeamten heftig beunruhigte. Von den vielen Ehrungen, die ihm im Laufe der Jahre zuteil wurden, freute ihn besonders die Goethe-Medaille. die ihm am achtzigsten Geburtstag verliehen wurde. Hatte doch Goethe den grössten Anteil an seiner Geistesbildung und seinem inneren Leben: die "Maximen und Reflexionen" lagen immer auf seinem Nachttisch. damit er sie in schlaflosen Stunden zur Hand hatte. Einer seiner Lieblingsdichter war Hölderlin. Als Hofmann die Tätigkeit an der Akademie aufgab (1934). bezogen wir in Pillnitz eine Wohnung im Wasserpalais. Ludwig liebte die freundlichen, fein atmosphärischen Landschaftsmotive des Elbetals und hat sie, ebenso wie die herberen bei Warmbad im Erzgebirge, wo wir gern ein paar Sommerwochen verbrachten, in einer Anzahl Lithographien festgehalten. Als dann 1945 die Sowjetarmee das Schloss besetzte, bot uns der Musikverleger Max Brockhaus ein Refugium in seinem auf halber Höhe von Pillnitz gelegenen Landhaus an. Hier konnte mein Mann noch seinen 84. Geburtstag begehen, zog sich aber am selben Tage durch ein Ausgleiten eine gefährliche Beinverletzung zu. Sechs Tage später. am 23. August. nachdem er noch im westöstlichen Divan gelesen hatte, schlummerte er ein und wachte nicht wieder auf. So war der Kreis seines Lebens geschlossen, nahtlos. Das Ende konnte nicht harmonischer sein. Ludwig von Hofmann war ein umfassend gebildeter Mensch, sehr gütig, immer hilfsbereit, grossartig als Gebender, bereitwillig annehmend, aufgeschlossen für alles Neue und Zukunftverheissende, für das er dann auch selbstlos eintrat.