DIE NOVEMBERGRUPPE

Lockerer Zusammenschluß oppositionell gesinnter Architekten, bild. Künstler, Schriftsteller, Filmschaffender und Komponisten; sie konstituierte sich am 3.12.1918 unter dem Einfluß der Novemberrevolution in Berlin. Der Impuls dazu ging von den Malern M. Pechstein und C.Klein aus, enge, z.T. auch personelle Bindung bestand zum Arbeitsrat für Kunst. Zu ihren Mitgliedern gehörten u. a. die Maler L. Feininger, O. Griebel, W.Kandinsky, G.Schrimpf, K.Völker; die Bildhauer H.Arp, R.Belling, E.Matare, die Architekten W. Gropius, H. Poelzig und L. Mies van der Rohe, ferner der Komponist H.Eisler. Künstler wie O.Dix, G.Grosz, O.Nagel und R.Schlichter stellten zeitweise mit der Novembergruppe aus. Die Novembergruppe setzte sich in ihren Richtlinien das Ziel, maßgebenden Einfluß auf die Entscheidung aller künstlerischeu Fragen zu erlangen. Sie forderte Einfluß und Mitarbeit bei allen Aufgaben der Baukunst als einer öffentlichen Angelegenheit, bei der Reform der Kunstschulen, bei der Umwandlung der Museen zu Volkskunststätten, bei der Vergabe von Ausstellungsräumen und bei der gesamten Kunstgesetzgebung. Damit ging die Novembergruppe zunächst über die Ziele eines bloßen Ausstellungsverbandes hinaus und bekundete ihr Bestreben nach Demokratisierung des Kunstgeschehens und nach Abbau bürgerl.Privilegien. In der Praxis erwiessich dies jedoch - genauso wie die bürgerl. Demokratie Weimarer Prägung - als unfähig, diese Ziele zu verwirklichen. Die Novembergruppe versuchte, Vertreter der unterschiedlichsten künstlerischen Richtungen und gegensätzlicher Weltanschauungen als angeblich über den Klassen stehende Revolutionäre des Geistes zu verbrüdern. Die Inkonsequenzen und inneren Widersprüche der Gruppe führten frühzeitig zu offenen Auseinandersetzungen. Bereits 1921 treten einige der fortschrittlichsten Künstler aus der Novembergruppe aus. Sie veröffentlichten in der vom Malik-Verlag herausgegebenen Zeitschrift "Der Gegner" einen an die Novembergruppe gerichteten offenen Brief, in dem sie der Gruppe politische Unklarheit, Zwiespältigkeit und Isolierung von den Volksmassen vorwarfen. Gleichzeitig wurden die Mitglieder der Novembergruppe aufgerufen, ebenfalls auszutreten und sich der sich neu konstituierenden Opposition anzuschließen. Zu den Unterzeichnern dieses Aufrufes gehörten u.a. O.Dix, G.Grosz und J.Heartfield. Auch später spalteten sich einzelne Künstler oder Gruppierungen von der Novembergruppe ab, z.B. verband sich seit 1926 ein Teil ehem. Mitglieder der Novembergruppe mit der linksoppositionellen, später konsequent kormmunistisch orientierten Künstlergruppe Die Abstrakten um O.Nerlinger. Aber auch hier beschränkte sich das Mitwirken einiger Künstler auf die Teilnahme an den Ausstellungen, z.B. in der Großen Berliner Kunstausstellung. Trotzdem war die Novembergruppe für einige Jahre durch ihre sehr rege Ausstellungs- und Veranstaltungstätigkeit ein wichtiges geistig-kulturelles Zentrum Berlins. Schon der Arbeitsrat für Kunst bzw. einige seiner aktivsten Mitarbeiter um A. Behne, waren konzeptionell weitsichtiger und klarer als die Novembergruppe. Die Distanz zu den fortschrittlichsten Künstlern und zu den revolutionären Volksmassen vergrößerte sich ständig. Die Novembergruppe sank schließlich, entgegen ihrer ausdrücklichen Zielstellung, zu einem Ausstellungsverein ab und war faktisch bereits auseinandergefallen, als sie 1933 von den Nazis verboten wurde.