Ludwig Richter, Maler und Zeichner, 1803-1884

begann sein künstlerisches Werk
mit Landschaftsdarstellungen aus der Dresdner Umgebung,
die er zusammen mit seinem Vater, C.A.Richter, schuf.
Zwischen 1816 und 1823 entstanden über hundert Stiche
mit sächsischen Ansichten.

Lesen Sie hier eine zeitgenössische Kritik zu den um 1820 entstandenen "malerischen An- und Aussichten der Umgegend von Dresden" die Ludwig Richter zusammen mit seinem Vater schuf.


Eine rare Sammlung Probedrucke zu Holzschnitten von Ludwig Richter

Richter, Adrian Ludwig,
deutscher Maler, Zeichner und Graphiker, * 28.9.1803 Dresden, † 19.6.1884 Dresden;
neben M. von Schwind führender Vertreter der dt. Spätromantik, Hauptmeister der Holzschnittillustration im 19. Jh.; zunächst Ausbildung als Kupferstecher bei seinem Vater Karl August R., 1816-23 Schüler der Dresdener Kunstakad., 1820/21 Reise durch Frankreich als Landschaftszeichner mit dem russ. Fürsten Naryskin', 1823-26 Aufenthalt in Rom im Kreis der Nazarener und Ausbildung als Landschaftsmaler unter dem Einfluß von. J. A. Koch im Sinne der dt.-röm. Ideallandschaft. Als Zeichner ist R. bes. durch J. Schnorr von Carolsfeld geprägt. In Rom entstanden Werke, wie: Der Watzmann (1824, München, Neue Pin.), Rocca di Mezzo im Sabinergebirge (1825), Tal b. Amalfi (1826, Leipzig, Mus. der bild. Künste). Auf der Rückreise nach Deutschland lernte er in der Slg. der Brüder Boisserée die auf sein weiteres Schaffen wirkende altdt. Kunst (bes. A. Dürer) kennen. 1828-35 war R. Lehrer an der Zeichenschule der Porzellanmanufaktur in Meißen. Hier entstanden zahlreiche Gemälde nach ital. und alpinen Motiven, u. a.: Morgen bei Palestrina (1829, Dresden, Gem. Gal. Neue Meister), Wald bei Olevano (1829, München, Neue Pin.), Gewitter am Monte Serone (1830, Frankfurt, Städelsches Kunstinst.), Brunnen bei Ariccia (1831, Ber- lin, Nat. Gal.), Hirten vor einem Andachtsbild (Wroclaw, Nat. Mus.). 1836 Übersiedlung nach Dresden und Berufung zum Lehrer an die Dresdener Kunstakad., wo er bis 1877 die Landschaftsklasse leitete. Seit 1834 entdeckte R. die böhm. Landschaft, bes. des Elbtals für seine Kunst. Mit der Einbeziehung heimatl. Natur und Volkstypen gewann seine Kunst eine neue Qualität. Bes. das Gemälde »Überfahrt über die Elbe am Schreckenstein bei Aussig« (1837, Dresden, Gem. Gal. Neue Meister) gilt als beispielgebendes Erstlingswerk der dt. Spätromantik. Diese unterscheidet sich gegenüber der romant. Kunst Ph. O. Runges und C. D. Friedrichs durch größere inhaltl. Nähe zum Literarisch-Volkstümlichen sowie durch einen Bedeutungszuwachs der menschl. Figuren und deren Harmonisierung mit einer vorwiegend idyllisch aufgefaßten Natur. Hauptwerke dieser Phase sind: Teich im Riesengebirge (1839, Berlin, Nat. Gal.), Genoveva in der Waldeinsamkeit (1841, Hamburg, Kunsthalle), Abendandacht (1842, Leipzig, Mus. der bild. Künste), Brautzug im Frühling (1847, Dresden, Gem. Gal. Neue Meister). Damit war sein maler. OEuvre im wesentlichen abgeschlossen. Nur noch ausnahmsweise hat er nach 1847 gemalt: 1859 entstand im Auftrag seines Leipziger Freundes und Förderers E. Cichorius sein Spätwerk »Junilandschaft« (Dresden, Gem. Gal.bNeue Meister). Von größter Bedeutung für die Graphik und Buchkunst des 19. Jh. in Deutschland sind R.s Holzschnitte und Radierungen. Sie entstanden auf der Grundlage eines riesigen zeichner. OEuvres, das bis heute noch kaum überschaubar ist. Schon von frühester Jugend an war R. als Radierer tätig und schuf bis 1836 245 Arbeiten. Dabei handelt es sich meist um serienmäßig zusammengefaßte Landschaftsveduten, wie »70 Mahlerische An- und Aussichten der Umgebung von Dresden« (1820), »30 Mahlerische An- und Aussichten von Dresden und der nächsten Umgebung« (1820), »Die Sächs. Schweiz in Bildern« (1823). Weitere Radierfolgen vom Salzburger Land und von Italien erschienen 1830 und 1832 bei C. G. Börner in Leipzig. Unter den wenigen Radierungen, die noch nach 1836 entstanden, ragen die 3 großen Blätter für den Sächs. KV heraus: Genoveva (1848), Rübezahl (1848), Die Christnacht (1855). Zwischen 1836 und 1838 schuf R. etwa 100 Sepiazeichnungen für Stahlstichveduten zu dem mehrbändigen Reisewerk »Das maler. und romant. Deutschland«, welches 1837-41 bei G. Wigand in Leipzig erschien. Seit 1838 arbeitete R. in ständig wachsendem Umfang als Illustrator für den Holzschnitt, eigentlich Holzstich, den er von einer simplen, anspruchslosen Reproduktionsgraphik zu hoher künstler. Meisterschaft entwickelte. Im Auftrag des Leipziger Verlegers Wigand begann er mit Illustrationen zu den »Dt. Volksbüchern des 15. und 16. Jh.« (1838-43). Es folgten für Wigand Illustrationen zu E. Dullers »Geschichte des dt. Volkes« (1840), Oliver Goldsmith's »Der Landprediger von Wakefield« (1841), Musäus' »Volksmärchen der Deutschen« (1842), »Reineke Fuchs« (1843) und »Alte und Neue Studentenlieder« (1844). Von diesen Anf. an hat R. bis 1873 ein umfangreiches Holzschnittwerk geschaffen, das ab 1851 auch Bildfolgen ohne vorgegebene Texte mit umfaßt. Diese »Familien-Bilderbücher« mit Szenen aus dem Alltag der kleinen Leute fanden weite Verbreitung und wurden unter Titeln, wie »Fürs Haus«, »Der Sonntag«, »Neuer Strauß fürs Haus« und »Gesammeltes« seit 1855 im eigenen Familienverlag Gaber und Richter herausgegeben. R.s Holzschnittwerk umfaßt über 2000 Arbeiten. Sie zeigen eine künstler. Handschrift, die anfangs nazaren. Einflüsse, etwa von J. Schnorr von Carolsfeld, P. Cornelius und E. N. Neureuther, aber auch formale Anregungen von N. Strixners Lithographien nach Dürers Randzeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximilians verarbeitet, sich bald aber zu einem unverwechselbaren Personalstil verdichtet. Dieses Bilderwerk spiegelt eine Realitätserfahrung, die auf kleinbürgerl. und -bäuerl. Schichten beschränkt bleibt. Dabei ist in der Schilderung des kleinstädt., dörfl. und familiären Zusammenlebens die harmonisierende Tendenz zur friedl. Idylle die Regel. Jedoch finden sich auch trag. und dramat. Töne und sogar Karikatur und Satire. Neben dem aus R.s sozialem Umfeld hergeleiteten Themen gibt es aber auch die romant. Lust an fabulierender Verbildlichung von Märchen, Legenden, Liedtexten, bibl. und weltl. Geschichten sowie den Dichtungen der dt. Klassiker. 1869 begann L. R. mit der Niederschrift seiner »Lebenserinnerungen eines dt. Malers«, die erstmals 1885 im Druck erschienen und als ein Hauptwerk dt. Memoirenliteratur des 19. Jh. gelten.


Ludwig Richter
(1803-1884)
Ausgewählte Werke