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Japanische Tanzmäuse, Öl auf Holz, 1910, (Privatbesitz - unverkäuflich)
Phantastische, häufig surreal anmutende Bilderwelten voll ungewöhnlicher Begegnungen verschiedener Gestalten zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit, Naturnähe und Absurdität, Anekdote und Alptraum begegnen dem Betracher, wenn er sich mit dem Werk Richard Müllers beschäftigt. Vorbilden von der Antike bis zu Klinger vepflichtet sich der Künstler dabei in einer vor allem in seiner Malerei von geradezu almeisterlichen Akribie zeugenden Darstellungsweise, ohne dabei allerdings seine unverkennbaren Eigenart zu verlieren. Wenn nämlich gerade dieser zum Teil minutiös realistisch gehandhabte Stil kombiniert wird mit einer äußerst phantasievollen, surreal verfremdeten Thematik, ergibt sich eine spannende Wechselbeziehung mit völlig neuer Wirkung und Assoziationsmöglichkeiten. - Richard Müller stammt aus Tschirnitz bei Carlsbad. Er besucht die Schule in Pürstein, in der Nähe seines Heimatortes und wird dann in der Schule der Königlich Sächsischen Porzellanmanufaktur in Meißen aufgenommen. 1890, ein Jahr später, geht er an die Akademie in Dresden und studiert dort für weitere zwei Jahre. Mit einer bereits sehr eigenen Kunstauffassung verläßt er die Akademie mit 19 Jahren und beteiligt sich schon im darauffolgenden Jahr mit Landschaften und Tierstudien an einer Ausstellung der Dresdner Sezession. Als Müller 1895 Max Klinger begegnet, regt ihn dieser zum Radieren an. Das erfolgreiche Ergebnis wird 1897 mit dem Großen Rompreis für Graphik bedacht. Ernst Seeger und Fritz Gurlitt veröffentlichen die ersten Blätter in einer Radiermappe. 1898 folgt die "Große Goldene Medaille", die dem Künstler für das Gemälde "Barmherzige Schwestern" verliehen wird. 1902 wird er zum Lehrer, 1903 zum Professor an der Dresdner Kunstakademie berufen. 1904 erfolgt ein Ruf in die internationale Jury der Weltausstellung in St. Louis, USA. Mit einer Kriegsunterbrechung ist Müller von 1900 bis zu seiner Entlassung wegen "zersetzender Tendenzen in seiner Kunst" 1935 an der Dresdner Akademie tätig. ( Hierzu anm.1
anm.2
anm.3 )
Professor Richard Müller leitete den Zeichensaal der Dresdner Akademie und ganze Generationen von von Studenten holten sich bei ihm ihr künstlerisches Rüstzeug. - Beispielsweise war George Grosz seinem ehemaligen Lehrer immer dankbar für die Vermittlung einer soliden zeichnerischen Grundlage, nach dem Kriege versorgte er ihn von den USA aus mit Care-Paketen. - Der Bilderkosmos Richard Müllers wirkt aber auch für spätere Künstler formal und inhaltlich anregend. So läßt sich beispielsweise Horst Janssen von Müller inspirieren und integriert dessen Themen wie das "Wunder der Dressur"in eigene Arbeiten wie z. B. in die Radierung "Langenhorner Schuß" von 1964. Richard Müller stirbt 1954 in Dresden-Loschwitz.
Ein Gremium dem ausser zwei Beamten noch die Professoren Otto Dix, Max Feldbauer, Georg Lührig, Ferdinand Dorsch, Wilhelm Kreis und Karl Albiker angehörten, wählte Müller 1933 zum Rektor der Dresdner Akademie. Am 6. April des gleichen Jahres bekam Müller vom Reichskommissar v.Killinger die dienstliche Anweisung, seinen Kollegen Otto Dix zu entlassen. Auch
Richard Müller wurde 1935 wegen Differenzen mit den NS-Vertretern (offizielles Schreiben der Dresdner Akademie von 1948-Ausschnitt) an der Akademie und weil man in seinen Werken "zersetzende Tendenzen" zu erkennen glaubte, aus dem Rektorenamt entlassen. (s.dazu aus dem Entlassungsschreiben des sächs. Kultusministers Hartnacke: Ausschnitt 1....Ausschnitt 2 Ausschnitt 3....
Ausschnitt 4....
Ausschnitt 5....)
Nach seiner Enlassung schlug sich Richard Müller bis 1945 mit Auftragsarbeiten durch. Sein einziger großer Auftrag war eine Zeichnungsserie zu den "Stätten des Führers", über die er in seiner Biografie Auskunft gibt.
1935 war Müller aus der NSDAP, der er seit seiner Ernennung zum Rektor 1933 angehörte,wegen "Bestrebungen, die der NSDAP zuwidergehandelt" hätten (§ 4 Abs.2b der Satzung) ausgeschlossen worden. Zudem hat Hitler persönlich Richard Müller am 1. März 1935 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Umso seltsamer, dass wenig später der sächsische Reichsstatthalter Martin Mutschmann, auf dessen Anordnung Müller kurz vorher entlassen worden war, diesen mit der Schaffung einer Serie von Zeichnungen, die Hitlers Kindheit und Jugend illustrieren sollten, beauftragte. Das war wohl keine gute Idee, weil zum Ersten Hitler nur ungern an seine miserable Kindheit erinnert wurde und es sich zum Zweiten um Arbeiten eines durch Parteiausschluss und Entlassung quasi "geächteten" Künstlers handelte. So blieben die Blätter in Dresden. Sie landeten im Depot des Stadtmuseum und wurden später an R.Müller zurückgegeben.)
1948 wurde Müller ein Prozess gemacht, in dem ihm die Organisation der Ausstellung "Spiegelbilder des Verfalls" in Dresden - Vorläufer der Ausstellung über Entartete Kunst - zur Last gelegt wurde. Trotz der berüchtigten stalinistischen Prozessführung in dieser Zeit wurde Richard Müller von diesem Vorwurf freigesprochen und als "Minderbelastetet" eingestuft ( die Direktive 38 des Kontrollrats besagt:. Minderbelastet ist insbesondere...Wer ohne Hauptschuldiger zu sein zwar als Belasteter erscheint, sich aber frühzeitig vom Nationalsozialismus und seinen Methoden unzweideutig und offenkundig abgewandt hat.) Sowohl Dr. Fritz Löffler, der Nestor der Dresdner Kunstgeschichte als auch Paul König, der damalige Verwalter des Dresdner Stadtmuseums, bestätigten, dass Müller nicht am Aufbau jener Ausstellung beteiligt war. Lediglich ein - ihm selbst später peinlicher - Zeitungsartikel über die Schau im Lichthof des Dresdner Rathauses, den er im Auftrag des Dresdner Bürgermeisters Zörner verfasste, wurde ihm vorgeworfen. Hier ein die offizielle Aussage der Dresdner Kunsthochschule zu den Vorwürfen, die Müllers Wirken in viel positivererem Lichte zeigt als es die sich vornehmlich auf Hörensagen begründete Kunstgeschichtsschreibung bis dato beschreibt: Vornehmlich der Dresdner Kunsthistoriker Fritz Löffer tat der Zeit des DDR-Sozialismus alles, um Richard Müller posthum zu desavouieren. Wohl um von seiner eigenen, langjährigen NSDAP-Mitgliedschaft abzulenken. Hier ein Schreiben, welches Dr. Löffler 1933 an Richard Müller richtete. Noch 1975 behauptete er in einem Leserbrief an die FAZ, wider besseren Wissens, dass Müller einer der Organisatoren der Ausstellung "Spiegelbilder des Verfalls" gewesen sei, obwohl er 1948 vor Gericht das Gegenteil zu Protokoll gab. Der von R. Müller ob seiner Kunst scharf kritisierte George Grosz versorgte Müller in der Nachkriegszeit von Amerika aus mit Paketen. Die Auseinandersetzung Müllers mit den Expressionisten und Dadaisten spielte sich auf der rein künstlerischen, nicht auf der politisch-ideologischen Ebene ab.
Er setzte sich sogar für verfolgte Künstler , wie den Expressionisten Otto Lange ein, obwohl er sich mit dessen Arbeiten kritisch auseinandersetzte. Schließlich machte er nicht erst im dritten Reich, sondern schon in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg aus seiner Geringschätzung für "Schnellmaler" wie Nolde keinen Hehl. Das beschreibt sein Schüler George Grosz in seinen Lebenserinnerungen "Ein kleines Ja und ein großes Nein" an die Jahre zwischen1909 und 1912 an der Dresdner Akademie
. Richard Müller hatte seine eigene Auffassung von Kunst die er vehement aber völlig undiplomatisch vertrat. . Die Dresdner Akademie unter dem Rektorat von Hans Grundig schrieb am 7. Januar 1948 in einer offiziellen Stellungnahme zu Richard Müller an das gegen den Künstler ermittelnde Kriminalamt Dresden: "... Prof. R. Müller, den man wohl in macher Beziehung als Idealisten ansprechen konnte, verdarb allerdings manche gute Absicht durch eigene menschliche Ungeschicktheit, dies dürfte auch der Grund mancher Gegnerschaft gegen ihn gewesen sein."....... Hier Müllers Stellungnahme, im Jahre 1948 formuliert im Schriftsatz an das Gericht: Seite 1.........
Seite 2.........
Seite 3.........
Seite 4.........
Seite 5.........
Seite 6.........
Seite 7.........
Seite 8
(Aus dem Manuskript "Dresdner Begegnungen" von Dr. Georg Ernst, Hausarzt von Richard Müller, über dessen letzte Jahre und Tod.
Seite 1 Seite 2 )
At age 14 Student at the painters-school of the famous Meissen-porcelain-manufactur
later (age 15) at the royal academie of Dresden under Leon Pohle
as one of the youngest students ever.
Married to famous american singer Lilian Sanderson from Milwaukee.
1900-1935 Professor, later principal of the Dresden-Academy
Teacher of famours artistssuch as George
Grosz, Max Ackermann, Otto Dix
Although he had some symphaty with the nazis in the very first time
after their seizure of power in 1933 he was
1935 expelled as a professor, Nazis saw "subversive tendences" in his
art.
Problems during WWI and II and "Third Reich" because of his marriage
to an "enemy-alien"
(his wife Lilian Sanderson never gave up US-citizenship)
Richard Müller , one
of the fathers of modern surrealism, died, almost forgotten,
1954 in Dresden.
Prints by Richard Müller
.
Galerie der Radierungen Richard
Müllers
Gallery of Richard Muellers etchings
NEU: Monografie Richard Müllers in Fortsetzungen
Präsident Richard von Weizsäcker und Richard Müller/ President of Germany and Richard Müller
Nachlaß Richard Müller - Gutachten / Estate of R. Müller Estate proofs - assessments of authenticity
Mehr über Richard Müller/more about Richard Müller
Monographie und Werkverzeichnis der Graphik
Weltkunst-Artikel über Richard Müller
Richard Müllers Schüler/ List of Muellers students
© for Richard Müller by Galerie Saxonia, Munich